Peter Sutter, 5. Januar 2026

Sie kamen zum Feiern und fanden den Tod. In der Silvesternacht 2025 ereignete sich in Crans-Montana im Schweizer Kanton Wallis eine Katastrophe schlimmsten Ausmasses. Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich die Bar «Le Constellation» in eine Todesfalle. 40 junge Menschen verloren in den Flammen ihr Leben, 116 Menschen wurden durch das Feuer verletzt. Viele erlitten schwerste Brandverletzungen und werden derzeit in Spezialkliniken im In- und Ausland behandelt. Bereits am Morgen nach der Katastrophe gab es die ersten Reaktionen. Mitte-Chef Philipp Matthias Bregy schrieb auf X: «Nichts ist mehr, wie es war.» Dieses Gefühl zeigt sich auch noch Tage nach der Tragödie. Die Trauer im In- und Ausland ist riesig, die Betroffenheit praktisch überall spürbar. Für den 9. Januar ist ein schweizweiter Trauertag geplant. Dieser wird laut Bundespräsident Guy Parmelin zusammen mit den Kirchen geplant. («Blick», 5. Januar 2026)
Spontan und unbürokratisch haben Deutschland, Frankreich, Italien und Belgien nach dem Unglück in Crans-Montana Schwerverletzte aufgenommen. Auch Rumänien und Luxemburg haben Ambulanzfahrzeuge und Hubschrauber zur Verfügung gestellt. Zahlreiche weitere Länder haben Unterstützung angeboten: Dänemark, Griechenland, Finnland, Irland, Kroatien, die Niederlande, Litauen, Nordmazedonien, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Slowenien, Tschechien und die Türkei. Was für ein schönes Beispiel internationaler Solidarität!
Weitaus weniger spontan und unbürokratisch ging es vor rund drei Monaten bei der Aufnahme schwerverletzter Kinder aus dem Gazastreifen zu und her. Die längste Zeit, während viele weitere Kinder ihren tödlichen Verletzungen erlagen, verstrich, bis sich schliesslich gerade mal acht der 26 Schweizer Kantone bereit erklärten, insgesamt 20 Kinder aufzunehmen. Alle anderen winkten ab: Die Asylsituation sei zu angespannt, es fehle an der nötigen Infrastruktur, das Gesundheitssystem sei ohnehin überlastet und die Finanzierung sei nicht gesichert.
Zurzeit wird in der Schweizer Öffentlichkeit eifrig diskutiert, was aus dem Unglück von Crans-Montana zu lernen sei. Es ist zu hoffen, dass nicht nur gelernt wird, was für Materialien bei der Einrichtung öffentlicher Lokale zu verwenden und wie viele Notausgänge erforderlich seien. Sondern auch, dass echte Solidarität nicht an irgendwelchen Grenzen Halt machen darf, und schon gar nicht an den Grenzen zwischen den reichsten und den ärmsten Ländern der Welt.