Peter Sutter, 19. Juni 2026

Donnerstag, 18. Juni 2026, 9 Uhr. Pünktlich ist Farid (Name geändert) in dem kleinen Seerestaurant, wo wir abgemacht haben, eingetroffen. Noch ist es angenehm warm, später wird die Temperatur an diesem wolkenfreien Sommertag auf über 30 Grad klettern. Wir bestellen einen Kaffee. Und sogleich kommt Farid ohne Umschweife zur Sache und erzählt mir seine Geschichte…
Vor zehn Jahren in die Schweiz geflüchtet, ist Farid nach definitiver Ablehnung seines Asylgesuchs durch das Staatssekretariat für Migration (SEM) und das Bundesverwaltungsgericht seit fünf Jahren im Ausschaffungszentrum H. wohnhaft, ohne jegliche Zukunftsperspektive. Ohne Aufenthaltsbewilligung ist es Farid nicht erlaubt, eine Arbeit aufzunehmen und zu seinem Lebensunterhalt selber etwas beizutragen. Theoretisch müsste er zwar die Schweiz verlassen und in sein Heimatland zurückkehren. Zurzeit finden aber angesichts der prekären politischen Lage in seinem Heimatland und den aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen weder freiwillige Rückreisen, noch zwangsweise durchgeführte Rückschaffungen in den Iran statt. Wie auch für Tausende andere durch die Schweizer Behörden abgewiesene Asylsuchende, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in ihre Heimat zurückkehren bzw. dorthin ausgeschafft werden können und nicht selten bis über sieben oder gar zehn Jahre hinweg in einem der zahlreichen schweizerischen Ausschaffungszentren untergebracht sind, besteht Farids Alltag aus nichts anderem, als den ganzen Tag untätig herumzusitzen – in den total überfüllten Zentren mit engsten Platzverhältnissen der ideale Nährboden für gegenseitige Streitereien, Aggressionen und Gewalttätigkeiten, Suizidversuche und Übergriffe gegen Mädchen und Frauen, oft unter Alkoholeinfluss.
Der Grund, weshalb Farid aus dem Iran flüchtete, war seine politische Tätigkeit als Anhänger der dem Regime feindlich gesinnten Volksmujahedin. Farid kramt aus einem ungeordneten Stapel teilweise völlig zerknitterter Papiere, die er zu unserem Gespräch mitgebracht hat, einen Brief des „Vereins des Iranischen Widerstands“ vom 20. April 2020 hervor, dem Folgendes zu entnehmen ist…
Hiermit bescheinigen wir, dass Herr Farid J., geboren am 4. April 1979, im Iran als aktiver Anhänger von Mujahedin KL tätig war. Er war Mitglied eines Teams, das zuständig war, unsere Aufträge zu erfüllen. Unsere Aufträge bestanden darin, Plakate aufzuhängen und Informationen gegen die iranischen Fundamentalisten zu verbreiten. Nach einigen aktiven Jahren wurde er durch den iranischen Geheimdienst erkannt. Er wurde am 17. Mai 2015 verhaftet und war elf Tage lang in Haft. Er ist auch in der Schweiz politisch gegen das islamische Regime im Iran tätig. Daher muss davon ausgegangen werden, dass er wegen der Häufigkeit und Intensität seiner politischen Aktivitäten bei einer eventuellen Rückkehr in den Iran zur Rechenschaft gezogen würde. Im Namen des iranischen Volks bedanken wir uns für seine Leiden, Bemühungen für Frieden und Freiheit, die er während der letzten Jahre in Kauf genommen hat. Wir hoffen, dass alle diese Bemühungen irgendwann dieses diktatorische Regime besiegen werden und wir ein Land ohne Gewalt und Unterdrückung erleben werden, in dem die Menschenrechte für die ganze Bevölkerung verwirklicht sein werden.
Farids 16jährige Tochter lebt bei ihrer – inzwischen von Farid geschiedenen – Mutter in Teheran, unter misslichsten Verhältnissen. Nur mithilfe eines Onkels, der sich, so gut es geht, um die beiden kümmert, können sie einigermassen überleben. Die Schule kann Farids Tochter nicht mehr besuchen, da sie zu weit von ihrem Wohnort entfernt ist und die Fahrpreise für sie unerschwinglich sind.
Schliesslich kommt Farid auf seine 36jährige Schwester zu sprechen. Von seiner ganzen Verwandtschaft ist ihre Situation mit Abstand die schlimmste: Nachdem sie während acht Jahren als Zahnarztgehilfin gearbeitet hatte, wurde sie vor rund einem Jahr wie aus heiterem Himmel eines Tages verhaftet und ins Teheraner Evin-Gefängnis gesteckt. Einmal pro Woche darf sie während ein paar Minuten Besuch von Familienmitgliedern empfangen. Das Letzte, was Farid gehört hat – die Kontakte zu seinen Verwandten im Iran beschränken sich ohnehin durch fehlende Internetverbindungen, technische Probleme, zeitweiliger Zensur wie auch infolge von Stromausfällen auf ein absolutes Minimum -, ist, dass seine Schwester seit ihrer Inhaftierung vor einem Jahr rund 20 Kilo an Gewicht verloren hat. Der Grund für ihre Inhaftierung und Gefängnisstrafe ist einzig und allein ihr Name. Da Farid als Mitglied der Mujahedin registriert ist, gilt für alle, die den gleichen Familiennamen tragen, automatisch die Sippenhaft. Das ist auch der Grund, weshalb einige andere Familienmitglieder inzwischen untergetaucht sind und die gegenseitige Hilfe und Unterstützung zwischen den Familienmitgliedern, der im Zusammenleben iranischer Familien traditionell ein sehr hoher Wert zukommt, praktisch vollständig auseinandergebrochen ist.
Viertel nach zehn. Ich verabschiede mich von Farid, nachdem ich ihm versprochen habe, alle seine Dokumente zu studieren und abzuklären, ob ich ihm in irgendeiner Weise behilflich sein kann. Mein nächster Termin ist in W., der Zug fährt in sieben Minuten. Vorher hole ich mir am Bahnhofkiosk einen Kaffee und ein Gipfeli. Aber ich weiss schon jetzt: Farids Geschichte, wie auch alle anderen Geschichten geflüchteter Menschen, die ich Woche um Woche zu hören bekomme, wird nie aus meinem Kopf verschwinden. Da kann der Himmel noch so blau sein, alle Menschen rundherum noch so fröhlich, das Gipfeli und der Kaffee noch so schmackhaft. Im Gegenteil: Es schmerzt alles sogar noch doppelt und dreifach. Sehe ich die fröhlich lachenden Teenager rund um den Bahnhof, muss ich zwangsläufig an Farids Tochter denken, die vielleicht schon gar nicht mehr weiss, wie es sich anfühlt, unbeschwert und fröhlich leben zu können. Höre ich zwei Jugendliche über ihre Zukunftspläne diskutieren, kommt mir schon wieder Farids Tochter in den Sinn und dass sie sämtliche ihrer Zukunftspläne, die doch eigentlich alle Menschen in diesem Alter haben möchten, höchstwahrscheinlich schon längst begraben hat. Esse ich das Gipfeli, muss ich zwangsläufig daran danken, dass sogar das Brot im Iran wie auch in vielen anderen Ländern so teuer geworden ist, dass es sich ein grosser Teil der Bevölkerung kaum mehr leisten kann. Und sehe ich den blauen Himmel über mir, fährt mir zwangsläufig der Gedanke durch den Kopf, dass Farids Schwester diesen blauen Himmel wahrscheinlich seit mehr als einem Jahr nie mehr sehen durfte.
Ich sitze im Zug nach W. Links und rechts neben mir schmieden die Reisenden Ferienpläne, schwärmen von irgendeinem tollen Liebesfilm, freuen sich über eine Gehaltserhöhung, beklagen sich über Kopfschmerzen oder ärgern sich darüber, dass der neue Mikrowellenherd, den sich kürzlich bestellt haben, schon nach wenigen Tagen kaputt gegangen ist.
Doch die Begegnung mit Farid geht mir nicht aus dem Kopf. Wie schon wieder heisst das Gefängnis in Teheran, wo seine Schwester innerhalb eines Jahres 20 Kilo an Gewicht verloren hat? Ich finde es in meinen Notizen: „Evin-Gefängnis“. Mal schauen, was im Internet darüber zu erfahren ist. Während die schweizerische Bilderbuchlandschaft am Fenster vorüberzieht, lese ich…
Das Evin-Gefängnis ist das bekannteste und berüchtigtste iranische Gefängnis. Es liegt am nördlichen Stadtrand von Teheran und entstand 1971. Ursprünglich für 320 Insassen ausgelegt, waren dort während der Schah-Zeit-Zeit bis zu 1500 Menschen inhaftiert und seit dem Beginn der Islamischen Revolution 1979 bis zu 15′.’000 Menschen. Das Gefängnis ist für die Inhaftierung und Hinrichtung politischer Gefangener berüchtigt… Das Gefängnis darf von aussen und innen nicht fotografiert werden; Aufnahmen sind daher selten. Die Fotografin Zahra Kazemi wurde 2003 wegen Aufnahmen von diesem Gefängnis zu Tode gefoltert. Marina Nemat, die zwei Jahre im Evin-Gefängnis verbracht hatte und ihre Erlebnisse in einer 2006 erschienenen Biografie veröffentlichte, schrieb, dass von ihren Zellengenossinnen im Trakt 246 keine die Haftzeit überlebt habe. Während der Haftzeit von Nemat war nach ihren Angaben der Trakt, der in Schah-Zeiten mit 50 Personen belegt war, mit 650 Frauen belegt… Für seine Einzelzellen mit der Grundfläche 1 × 2 m berüchtigt ist der Trakt 209, der dem Geheimdienst untersteht und in dem politische Gefangene, sogenannte „Staatsfeinde“, inhaftiert sind. Folter und sexueller Missbrauch (u. a. harte Gegenstände in das Rektum oder in die Vagina schieben), um die Gefangenen zu Geständnissen zu zwingen, sind im Evin-Gefängnis eine gängige Praxis. „Gefangene wurden monatelang in kleine Särge mit den Maßen 50 × 80 × 140 cm gesteckt. 1984 waren 30 Gefangene in solchen Särgen. Manche wurden verrückt,“ so Abbas Amir-Entezam, 1979 stellvertretender Premierminister unter Mehdi Bazargan, der selber 27 Jahre lang im Evin-Gefängnis inhaftiert war… Roxana Saberi beschreibt darüber hinaus die Weisse Folter, eine Kombination aus Manipulation, Einschüchterung und Isolation, die zu falschen Geständnissen oder Verleumdung von Freunden und Kollegen führt. „Viele Gefangene verschweigen gegenüber dem Gefängnisarzt die Wahrheit über ihren Gesundheitszustand. Sie haben Angst davor, dass die genannten Krankheiten oder verwendeten Medikamente als Ursache ihres ungewollten Todes im Gefängnis erklärt werden könnten,“ so Mehdi Khazali, Sohn des Ajatollah Abolghassem Khazali. Hinrichtungen werden vor Ort durchgeführt, meistens durch Hängen… Während der israelischen Bombenangriffe im Juni 2025 wurden Teile des Evin-Gefängnisses beschädigt, dabei sollen 71 Menschen getötet worden sein. Nach dem Angriff beschrieben die Insassen eine gewaltsame Evakuierung. Sie wurden in das Grossraumgefängnis von Teheran und das Frauengefängnis von Qarchak verlegt, die Berichten zufolge total überfüllt und unhygienisch waren und in denen es an Lebensmitteln und sauberem Wasser mangelte. Darüber hinaus berichteten die Gefangenen, dass ihnen eine medizinische Behandlung und der Zugang zu lebenswichtigen verschreibungspflichtigen Medikamenten verweigert wurde.
Fast hätte ich verpasst, in W. rechtzeitig aus dem Zug auszusteigen. Auf dem Bahnsteig steht eine Schulklasse – mir scheint, noch nie seien am gleichen Tag so viele Klassen auf Schulreise gewesen -, lachend, scherzend, kichernd, Eis schleckend, in den Smartphones gruselige Dinge guckend. Wieder einmal, wie so oft in letzter Zeit, kommt es mir, als wäre ich im falschen Film oder würden mich Welten trennen zwischen dem, was mir gerade durch den Kopf geht, und dem, was ich rundum sehe und höre.
Später, auf der Rückfahrt von W., bekomme ich auf mein Handy, wie täglich mehrmals, eine Nachricht von SRF aktuell. Dieses Mal geht es um die kommende Ferienzeit. Der Titel des Artikels: „So reist die Schweiz – in Zeiten von Krisen und Unsicherheiten“…
Die Badehosen sind sortiert, die Zeitung ist umgeleitet, die Koffer sind schon fast gepackt. Die Ferienzeit steht bevor. Die Menschen in der Schweiz haben Lust zu verreisen und sind auch weiterhin bereit, ziemlich viel Geld für ihre Ferien auszugeben. Das zeigt eine Umfrage des Finanzdienstleisters „Swiss Bankers“. Gleichzeitig passen viele ihre Reisepläne an und gestalten sie flexibler – auch wegen der aktuellen geopolitischen Lage. Im Folgenden die spannendsten Trends im Überblick… Die Reiselust der Schweizerinnen und Schweizer ist trotz der unsicheren Weltlage ungebrochen, ein Drittel von rund 1000 Befragten unternahm in den vergangenen zwölf Monaten drei oder mehr Reisen. Und auch für 2026 planen viele Menschen grössere Reisen in ihrer Haushaltskasse ein. Am häufigsten liegt das kalkulierte Ferienbudget für das Jahr 2026 zwischen 2000 und 4000 Franken… Nicht überraschend vermeiden die meisten Menschen Reisen in Regionen, in denen politische oder sogar kriegerische Konflikte herrschen. Besonders häufig genannt werden dabei der Nahe Osten sowie Russland und die Ukraine… In der folgenden Reihenfolge nannten die Befragten ihre Präferenzen zur Frage „Sicherheit beim Reisen“: Politische Stabilität im Reiseland, niedrige Kriminalitätsrate, gute medizinische Versorgung vor Ort, persönliche Unversehrtheit am Reiseziel, finanzielle Absicherung bei Problemen, geringe Gefahr von Naturereignissen.
Ich versuche mir vorzustellen, was bewirkt werden könnte, wenn all die Zeit, die Energie, die Phantasie und das Geld, was die Menschen hierzulande in die Planung und Durchführung von Ferienreisen stecken, dazu aufgewendet würden, um Menschen in Not zu helfen oder ihnen Gutes zu tun, Menschen, für die schon ein Stück Brot oder ein Stück blauer Himmel der reinste Luxus wären, von Ferienreisen ganz zu schweigen.
Als Erstes kommt mir eine Unterschriftensammlung für Farids Schwester in den Sinn, um sie aus dem Evin-Gefängnis zu holen. Klar, das wäre nur eine von Tausenden, aber das hätte sicher eine Signalwirkung auch für alle anderen ihrer Leidensgenossinnen. Amnesty International macht solche Kampagnen, nicht selten mit Erfolg. Und ja, wenn jede und jeder dieser rund zwei Millionen Schweizerinnen und Schweizer, die schon bald zu ihrer nächsten Ferienreise aufbrechen werden, auch nur einen einzigen Brief an die iranische Regierung und an die dortige Gefängnisleitung schicken würden, wäre das schon um ein Vielfaches mehr und gewiss auch um einiges wirkungsvoller als das, was heute mit einer doch recht bescheidenen Anzahl von Aktivistinnen und Aktivisten möglich ist.
Als Zweites kommt mir eine Verbesserung der rechtlichen Situation abgewiesener Asylsuchender in den Sinn. Diese verlieren nämlich nach einem letztinstanzlichen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts selbst dann jegliche weitere rechtliche Unterstützung bzw. Beratung, wenn Urteile auf falschen Tatsachen beruhen, fehlerhaft sind oder Papiere gefehlt haben, die mit wenig Aufwand noch zu beschaffen gewesen wären. Das würde freilich einiges kosten, aber vermutlich einen winzigen Bruchteil dessen, was Schweizerinnen und Schweizer Jahr für Jahr für ihre Ferienreisen ausgeben.
Als Drittes kommt mir eine umfassende gesellschaftliche Debatte über die weltpolitische Rolle der Schweiz in den Sinn. Darüber, auf welcher Seite unser Land stehen soll, auf der Seite der Reichen und Mächtigen dieser Welt, oder auf der Seite der Schwachen, Unterdrückten, Hungernden, Verfolgten, unrechtmässig Gefangenen. Nur schon am Beispiel des Iran können wir rasch erkennen, was für fatale Auswirkungen die Fortführung jener westlichen, von den USA angeführten Machtpolitik hat, welche nicht zuletzt auch von der Schweiz stillschweigend mitgetragen wird, vor allem immer dann, wenn dabei auch für unser Land an Machtvermehrung und Profiten etwas herausspringt. Es ist kein Zufall, dass es im Iran seit Jahren nicht mehr so viele Hinrichtungen gegeben hat wie unmittelbar nach den israelischen und US-amerikanischen Luftangriffen im Juni 2025. Gewalt von aussen hat stets Gewalt nach innen zur Folge. Je mehr ein Regime von aussen unter Druck gerät, umso mehr Repression übt es gegenüber potenziellen „Staatsfeinden“ im Inneren aus, auch wenn diese nur, wie Farids Schwester, den falschen Namen tragen. Jede Bombe, die von oben auf ein Dach fällt, verwandelt sich unten, unsichtbar vor den Augen der Weltöffentlichkeit, in ein Folterwerkzeug, mit dem das herrschende Regime jedes noch so fürchterliche Verbrechen rechtfertigen kann. Das Gleiche gilt für all jene Wirtschaftssanktionen, die, wiederum von den USA verhängt und von den meisten westlichen Regierungen wie auch der Schweiz mitgetragen, seit Jahrzehnten die Wirtschaftsstrukturen ganzer Länder zerstört, seit 1945 zum Tod von insgesamt rund 20 Millionen unschuldiger Menschen geführt haben und ebenfalls laufend zum Erstarken autoritärer Machthaber und der von ihnen ausgeübten Repressionen gegen ihre eigene Völker wesentlich beitragen. Ein Paradigmawechsel, weg von einer destruktiven Denkweise, mit der bloss immer wieder aus Unheil neues Unheil entsteht, ist dringendst nötig, und gerade zugunsten eines solchen Umdenkens weg von einer Kriegspolitik zu einer echten Friedenspolitik könnte die Schweiz als neutrales Land mit grosser diplomatischer Erfahrung eine wichtige Rolle spielen. Aber das geht nicht von selber, und es genügt auch nicht, wenn sich allein die Politik darum kümmert, grosse, breit abgestützte basisdemokratische Widerstandsbewegungen sind hierfür unerlässlich.
Zuhause angekommen, sortiere ich zunächst all meine Notizen vom heutigen Tag. Vielleicht wäre ja für Farid ein Härtefallgesuch möglich, dann könnte auch seine Tochter in die Schweiz kommen und sich ihren sehnlichsten Wunsch, Krankenschwester zu werden, verwirklichen. Und vielleicht würde sich Amnesty International für eine Kampagne für Farids Schwester gewinnen lassen. Mal schauen, die nächsten Tage.
Auch ich reise gerne, lache gerne, geniesse den Morgenkaffee, das Gipfeli, die Sommersonne und den blauen Himmel. Nur die Reihenfolge würde ich ändern. Zuerst alles dafür tun und alle zur Verfügung stehende Zeit, Kraft und Phantasie dafür aufwenden, dass nicht nur ein kleiner privilegierter Teil der gesamten Weltbevölkerung in den Genuss aller dieser schönen Dinge gelangen darf, sondern ein gutes Leben für alle Menschen über alle Grenzen hinweg – unter Verzicht auf übertriebenen Reichtum ebenso wie unter Wegfall von Armut, Hunger und Verfolgung – Wirklichkeit wird. Dann, ja dann, wenn es so weit ist, würde ich noch so gerne das Leben in vollen Zügen geniessen, im Wissen, dass es niemanden mehr gibt, der an irgendeiner weit entfernten, verlorenen und vergessenen Ecke der Welt darauf verzichten muss. Denn der blaue Himmel gehört uns allen.






