Zunehmende Kriegseuphorie in Europa: Wer bedroht eigentlich wen?

Peter Sutter, 13. April 2025, aktualisiert am 13. Juni 2026

„Es ist leichter, eine Lüge zu glauben, die man tausendmal hört, als die Wahrheit, die man nur einmal hört.“ Diese Worte des früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln könnten in Anbetracht der zurzeit europaweit aufkommenden Kriegseuphorie aktueller nicht sein. Das tausendfach an allen Ecken und Enden verbreitete Bild vom „Aggressor Russland“ scheint sich bereits dermassen tief in den Köpfen der grossen Mehrheit der Bevölkerung verfestigt zu haben, dass gar nicht mehr darüber diskutiert wird, ob dieses Bild überhaupt stimmt, sondern nur noch darüber, was getan werden muss, um diesem „Aggressor“ möglichst rasch, wirkungsvoll und nachhaltig Einhalt zu gebieten, selbst auf die Gefahr hin, dass Hunderttausende von Menschen dies mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Die Kriegstreiber scheinen, massiv unterstützt von den allermeisten Medien, derzeit auf Kurs zu sein. Doch liesse man sie gewähren, könnte es im schlimmsten Fall zu einer Katastrophe dermassen gigantischen Ausmasses kommen, dass wir uns deren Folgen gewiss auch nicht im Entferntesten vorzustellen vermögen. Um dies zu verhindern, muss alles getan werden, um die Kriegstreiber rechtzeitig zu stoppen. Oder, wie es der US-amerikanische Bürgerrechtskämpfer Martin Luther King sagte: „Jene, die den Frieden lieben, müssen sich ebenso wirkungsvoll organisieren wie jene, die den Krieg lieben.“

„Wenn wir uns Kriege ansehen, über die wir mehr wissen, zeigt sich, dass die Menschen vor allem wegen erfundener Geschichten gegeneinander kämpfen“, so der israelische Schriftsteller Yuval Noah Harari. Es bedarf daher, damit der Ukrainekonflikt nicht zu einem Flächenbrand mit unabsehbaren Folgen ausartet, an allererster Stelle der Entlarvung jener erfundenen Geschichte bzw. Lüge, wonach Russland der „Aggressor“ sei und der Westen sozusagen dessen „Opfer“, dem nichts anderes übrig bleibe, als sich gegen diesen „Aggressor“ unter Aufbietung aller seiner Kräfte zur Wehr zu setzen. Es gibt mehr als genug Argumente, um diese Lüge aufzudecken und die Frage aufzuwerfen, ob nicht sogar die genau gegenteilige Behauptung der tatsächlichen Wahrheit möglicherweise viel näher käme. Dies liesse sich dann sogar auch noch ganz simpel mit jener psychologischen Binsenweisheit erklären, wonach die eigene Denkensart und Verhaltensweise häufig in den vermeintlichen „Gegner“ hineinprojiziert wird und man ihm genau das zur Schuld legt, was man eigentlich ehrlicherweise sich selber zur Schuld legen müsste.

Hierzu im Folgenden einige Zitate, die dermassen selbstredend sind, dass sie keines weiteren Kommentars bedürfen.

„Um Amerikas Vormachtstellung in Eurasien zu sichern, braucht es die NATO-Osterweiterung. Eurasien ist das Schachbrett, auf dem sich auch in Zukunft der Kampf um die globale Vorherrschaft abspielen wird.“ (Zbignew Brzezinski, US-Politberater 1977-1981)

„Liebe Amerikaner, es ist mir ein Vergnügen, Ihnen heute mitzuteilen, dass ich ein Gesetz unterzeichnet habe, das Russland für vogelfrei erklärt. Wir beginnen mit der Bombardierung in fünf Minuten.“ (Am 11. August 1984 als „Witz“ gemeinte Aussage des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, der die Sowjetunion stets als das „Reich des Bösen“ zu bezeichnen pflegte und später einräumte, dieser „Witz“ hätte durchaus seiner Denkensart entsprochen)

„Die neue Weltordnung wird gegen Russland errichtet, auf den Ruinen Russlands und auf Kosten Russlands.“ (Zbigniew Brzensinski am 4. Juni 2009)

„Russlands Bodenschätze sind zu gewaltig, als dass sie den Russen allein gehören dürfen.“ (Madeleine Albright, US-Aussenministerin 1997-2001)

„Ziel der USA ist Russlands Spaltung und Zerfall.“ (Ben Hodges, ehemaliger Befehlshaber der US-Armee in Europa)

„Die USA müssen in jeder Region der Welt die militärische Vormachtstellung innehaben und den aufstrebenden regionalen Mächten entgegentreten müssen, die eines Tages die globale oder regionale Vorherrschaft der USA herausfordern könnten, vor allem Russland und China. Zu diesem Zweck sollte das US-Militär in Hunderten von Militärstützpunkten auf der ganzen Welt in Stellung gebracht werden und die USA sollten darauf vorbereitet sein, bei Bedarf Kriege nach Wahl zu führen. Die Vereinten Nationen sollen von den USA nur dann genutzt werden, wenn dies für ihre Zwecke nützlich ist.“ (Paul Wolfowitz, ehemaliger US-Unterstaatssekretär und persönlicher Berater von Präsident George W. Bush)

„Denken Sie daran, wir haben acht Jahre damit verbracht, diese Armee in der Ukraine zu dem einzigen Zweck aufzubauen, um Russland anzugreifen. Dafür wurde sie entwickelt. Deshalb haben die Russen sie angegriffen.“ (Douglas McGregor, ehemaliger US-Sicherheitsberater und pensionierter US-Colonel)

„Seit 2014 haben wir die Ukraine massiv mit Waffen versorgt. Das ist natürlich eine sehr bewusste, starke Provokation. Es war uns bewusst, uns in einen Bereich einzumischen, den jeder russische Führer als untragbar ansehen muss.“ (Jens Stoltenberg, ehemaliger NATO-Generalsekretär)

„Mit einem Bruchteil des amerikanischen Verteidigungsbudgets konnten wir die russische Armee erheblich beschädigen und degradieren. Und deshalb sollten wir damit auch weitermachen.“ (Jens Stoltenberg)

„Ich hätte nicht gedacht, das einmal sagen zu müssen: Aber wir werden Russland noch einmal so niederringen müssen, wie wir das im Kalten Krieg mit der Sowjetunion gemacht haben.“ (Sigmar Gabriel, ehemaliger Bundesvorsitzender der SPD und deutscher Vizekanzler)

„Der Krieg muss nach Russland getragen werden. Russische Militäreinrichtungen und Hauptquartiere müssen zerstört werden. Wir müssen alles tun, damit die Ukraine in die Lage versetzt wird, nicht nur Ölraffinerien in Russland zu zerstören, sondern Ministerien, Kommandoposten, Gefechtsstände.“ (Roderich Kiesewetter, CDU-Politiker)

„Wir haben einen Krieg begonnen, wie ihn die Welt seit 60 Jahren nicht mehr gesehen hat.“ (Yevhen Karas, ukrainischer Ultranationalist)

„Wir müssen die Wahrheit sagen. Amerika steht nicht aus Nächstenliebe an der Seite der Ukraine, sondern weil es in unserem strategischen Interesse ist.“ (US-Vizepräsidentin Kamala Harris am 15. Juni 2024)

„Die USA werden ihre Söhne und Töchter in den Krieg senden müssen, so wie wir unsere Söhne und Töchter in den Krieg senden, und diese werden kämpfen und sterben müssen.“ (Wolodomyr Selenskyi, Präsident der Ukraine)

„Unsere Sanktionen werden die russische Wirtschaft ruinieren.“ (Analena Baerbock, deutsche Aussenministerin)

„Ich würde einen Atomschlag gegen Russland durchführen, auch wenn das Ergebnis eine totale Vernichtung wäre.“ (Liz Truss, britische Premierministerin 2022)

„Die Russen sind Schweine, Hunde, Verbrecher, Tiere, Unrat und Barbaren, die in der Hölle brennen sollen.“ (Serhij Zhadan, in seinem Buch „Himmel über Charkiw“, welches mit dem Friedenspreis 2022 des deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde)

„Alles, was russisch ist, muss verschwinden. Die russische Sprache, die russische Kultur, die russische Geschichte. Alle, die meinen, sie hätten das Recht, in der Ukraine Russisch zu sprechen, müssen das Land verlassen.“ (Vlad Omelyan, ukrainischer Minister für Infrastruktur)

„Ich bin zutiefst beunruhigt über den drohenden Hunger in der Welt. Doch um Russland zu vernichten, müssen wir das ertragen.“ (Janet Yellen, US-Finanzministerin, 2021-2025)

„Russland wird immer ein Feind für uns bleiben.“ (Johann Wadephul, CDU-Politiker und Anwärter auf das deutsche Aussenministerium, am 30. April 2025)

„Kriege enden nur mit militärischer Erschöpfung.“ (Bundeskanzler Friedrich Merz am 15. Mai 2025)

„Das Ziel muss sein, Russland zu zerschlagen und in kleinere Länder aufzuspalten.“ (Kaja Kallas, EU-Vizepräsidentin)

„Hat denn Europa jemals vertrauensvoll auf die Russen geblickt, kann es das überhaupt: vertrauensvoll und nicht feindselig auf uns blicken? Wird es das jemals können?“ (Fjodor Michailowitsch Dostojewski, russischer Schriftsteller, 1821-1881)

„Während seiner ersten Amtszeit verfolgt Putin bis 2004 eine Politik der offenen Tür zu Europa und den westlichen Ländern. Erst als sich immer mehr ehemalige Sowjetrepubliken dem Westen zuwenden, verändert sich seine Haltung dem Westen gegenüber zu einer zunehmend feindseligeren Politik.“ (Michael Eltchaninoff, französischer Philosoph und Autor)

„Russland wurde von den Amerikanern und ihren Freunden komplett kolonialisiert. Sie waren in den 90er-Jahren omnipräsent, in den Ministerien und in den Banken. Sogar im Aussenministerium erhielt ich Mitteilungen der amerikanischen Botschaft, in denen stand, was ich zu diesem oder jenem Thema zu sagen oder zu tun hätte.“ (Alexander Orlov, russischer Botschafter in Frankreich von 2008 bis 2017)

„Einige Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs waren von Hybris, Arroganz und übertriebener Siegessicherheit des Westens gekennzeichnet.“ (Hubert Védrine, französischer Aussenminister von 1997 bis 2002)

„Als die Sowjetunion zusammenbricht, ist das für Putin eine Tragödie, weil damit alle seine Jugendideale, der Patriotismus, der Dienst am Staat und die Opposition gegenüber dem Westen am Boden liegen.“ (Michel Eltchaninoff, Philosoph und Autor, geb. 1969)

„Putin hat noch einen langen Weg vor sich, bevor er das Ausmass an Kriegsverbrechen erreicht, die wir in Ländern wie dem Irak, Syrien, Libyen und Afghanistan begangen haben.“ (Chris Hedges, US-Journalist)

„Ich bin fest davon überzeugt, dass die Menschen in Deutschland keine neue Feindschaft mit den Russen wollen. Wir dürfen nicht zulassen, dass das, was unsere beiden Nationen gemeinsam aufgebaut haben, zerstört wird.“ (Michail Gorbatschow, 1931-2022, russischer Staatspräsident 1990/91)

„Das Einzige, was eine russische Reaktion hervorrufen könnte, wäre eine Erweiterung der NATO bis zu den baltischen Staaten.“ (Joe Biden, späterer US-Präsident, im Jahre 1997)

„Amerika steht nicht aus Nächstenliebe an der Seite der Ukraine, sondern weil es in unserem strategischen Interesse ist.“ (Kamala Harris, US-Präsidentschaftskandidatin)

„Vielleicht war es die NATO, die vor Russlands Tor bellt, die Putin dazu veranlasste, die Invasion der Ukraine zu entfesseln. Ich kann nicht sagen, ob seine Wut provoziert wurde, aber ich vermute, dass die Haltung des Westens sehr dazu beigetragen hat.“ (Papst Franziskus, 1936-2025)

„Die Hauptschuld an der negativen Entwicklung zwischen dem Westen und Russland nach dem Ende des Kalten Kriegs trifft die USA, insbesondere wegen der Expansion der NATO.“ (Robert Hunter, ehemaliger NATO-Botschafter der USA)

„Wenn die Ukraine Teil der NATO wird, dann bedeutet das aus der Perspektive Russlands eine Kriegserklärung.“ (Angela Merkel, frühere deutsche Bundeskanzlerin)

„Ab 2014 begannen die USA und die NATO, die Ukraine mit Waffen zu versorgen – mit modernen Waffen, militärischer Ausbildung, gemeinsamen Militärübungen und Massnahmen zur Integration der Ukraine in die NATO. Das ist kein Geheimnis. Es war ganz offen. Kürzlich prahlte der Generalsekretär der NATO, Jens Stoltenberg, damit. Er sagte: ‚Das ist es, was wir seit 2014 getan haben. Es ist natürlich eine sehr bewusste, starke Provokation. Sie wussten, dass sie sich in einen Bereich einmischten, den jeder russische Führer als untragbar ansehen würde.'“ (Noam Chomsky, US-amerikanischer Linguist)

„Wenn wir den dritten Weltkrieg nicht wollen, müssen wir früher oder später aus dieser militärischen Eskalationslogik raus und Verhandlungen aufnehmen.“ (Erich Vad, deutscher Brigadegeneral a.D.)

„Die Entscheidung, die NATO bis zu den Grenzen Russlands zu erweitern, ist der verhängnisvollste Fehler und wird die russische Aussenpolitik in eine Richtung zwingen, die uns entschieden missfallen wird.“ (George F. Kennan, US-Historiker, im Jahre 1997)

„Sie fragen mich, welche Soldaten besser ausgebildet sind, die russischen oder die ukrainischen? Eindeutig die ukrainischen, denn diese werden seit 2014 von der NATO ausgerüstet und ausgebildet.“ (Jens Stoltenberg, ehemaliger NATO-Generalsekretär)

„Wir stehen kurz vor einem Atomkrieg. Weil die Vereinigten Staaten einfach nicht in der Lage sind, ihre verdammte Nase aus jedermanns Hinterhof herauszuhalten.“ (Jeffrey Sachs, US-Ökonom)

„Europa muss auf die Kapitulation Russlands hinarbeiten.“ (Roderich Kiesewetter, CDU-Politiker)