Die Bilderberg-Gruppe ist ein jährliches, informelles Treffen von 130 bis 150 einflussreichen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Medien, Militär und Akademie, hauptsächlich aus Europa und Nordamerika. Seit 1954 dient das geschlossene und von der Öffentlichkeit weitgehend abgeschirmte Treffen dem vertraulichen Meinungsaustausch über globale Wirtschafts- und Gesellschaftsfragen. Die Bilderberg-Gruppe und die Frage, wer und was genau dahintersteckt und mit welchen Zielsetzungen, war das Thema des Buchser Montagsgesprächs vom 8. Juni.
Dass die Bilderberg-Gruppe hinter verschlossenen Türen tagt und kaum etwas davon an die Öffentlichkeit dringt, weckt, dies wurde auch in der Montagsrunde deutlich, unterschiedlichste Vermutungen und Spekulationen. Handelt es sich bloss um einen Debattierclub ohne irgendwelche Auswirkungen auf Politik und Wirtschaft? Oder ist die Bilderberg-Gruppe, wie manche vermuten, so etwas wie eine geheime Weltregierung? Auch wenn man wohl kaum von einer „Weltregierung“ sprechen könne, so falle doch, so ein Votum aus der Runde, der enge Bezug der Bilderberg-Gruppe sowohl zur NATO wie auch zu grossen Rüstungskonzernen auf, was auf intensive Lobbyarbeit hinter den Kulissen, unbeachtet von der Weltöffentlichkeit, hindeute.
Grossen Raum in der Diskussion nahm die Frage nach den „westlichen Werten“ ein, gehört doch auch die Bilderberg-Gruppe zu jenen Organisationen und „Thinktanks“, die Begriffe wie Freiheit, Menschenrechte und Demokratie als ihre wichtigsten Leitgedanken nennen. Hierbei, so die übereinstimmende Meinung der Anwesenden, handle es sich aber oft um blosse Doppelmoral. Besonders drastisch, so einer der Diskussionsteilnehmer, zeige sich dies bei den Folgen jener seit Jahrzehnten vom Westen, insbesondere von den USA gegen zahlreiche Länder verhängten Wirtschaftssanktionen, die seit dem Zweiten Weltkrieg insgesamt rund 20 Millionen Todesopfer zur Folge gehabt hätten, allein im Irak zwischen 1991 und 1995 eine halbe Million, vorwiegend Kinder.
Gegen Ende der Diskussionsrunde kam man auf weitere globale Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Technologie zu sprechen, die durch eine weitgehende Eigendynamik geprägt seien und auf die man als einzelnes Individuum kaum oder gar nicht Einfluss nehmen könne, was bei vielen Menschen zu Ohnmachtsgefühlen führe und zu einem Rückzug ins Private. Umso wichtiger, so ein Votum zum Abschluss der Gesprächsrunde, sei es, von den politischen Machtträgern Transparenz und Ehrlichkeit zu verlangen, damit die Demokratie nicht zur Farce werde. Auch wäre wohl die Zeit gekommen, sich von einer rein materialistischen Denkweise zu lösen und sich vermehrt wieder dem zwischenmenschlichen Dialog, den Sinnfragen und dem Aufbau konstruktiver Gegenmodelle zu einer einseitig auf Wachstum und materiellen Profit ausgerichteten Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik zuzuwenden.