Peter Sutter, 7. Juni 2026

Wäre ich bei einer Zeitung zuständig für die Rubrik „Du fragst, ich antworte“ und hätte ich den Brief eines jungen Mannes bekommen, der sich in einer Notlage befinde, weil er sich in ein fünfjähriges Mädchen verliebt habe, würde ich ihm möglicherweise folgenden Rat erteilen…
Wenn du ein liebendes Wesen bist und dich, als Mann, in eine Frau oder einen anderen Mann verlieben kannst, oder vielleicht sogar manchmal in einen Regenbogen, einen Schmetterling oder ein Vergissmeinnicht, dann liegt es doch auf der Hand, dass du dich auch mal in ein Kind verlieben kannst. Das ist nichts Widernatürliches, im Gegenteil, es ist auch nichts Krankhaftes oder schon gar nicht etwas „Perverses“. Das Entscheidende ist nur, wie du damit umgehst und dass du dir auch nicht im Entferntesten irgendetwas nur deshalb erlaubst, weil du älter bist und dir deshalb eine „Machtposition“ gegenüber dem Kind zugestehen würdest. Das tun nämlich schon genug andere. Zum Beispiel, wenn sie ein fremdes Baby mitten ins Gesicht küssen, dem dreijährigen Kind ihrer Nachbarin mit der Hand durchs Haar wuscheln oder, als Grossvater, dem vierjährigen Enkel scherzend einen „liebevollen“ Klaps auf den Hintern geben, ohne vorher gefragt zu haben, ob das Kind das überhaupt will. Ganz zu schweigen von all den Beleidigungen, Zurechtweisungen, Beschimpfungen oder gar Schlägen oder anderen körperlichen Übergriffen durch Erwachsene, denen Kinder völlig schutzlos ausgeliefert sind, bis hin zu schweren Misshandlungen, die gemäss Statistiken sogar an Häufigkeit stetig zunehmen und bei denen seltsamerweise kaum je von einem „krankhaften“ oder „perversen“ Verhalten der betreffenden Erwachsenen die Rede ist. Dagegen ist doch deine spielerische Verliebtheit in dieses fünfjährige Mädchen, wenn du dir dabei keine Grenzüberschreitungen erlaubst, das Harmloseste, was man sich nur vorstellen kann. Im Übrigen rate ich dir: Erzähle niemandem davon, behalte deine Verliebtheit am besten ganz einfach als kleines süsses Geheimnis für dich.
Es ist in der Tat höchst erstaunlich, widersprüchlich und mit dem gesunden Menschenverstand kaum nachzuvollziehen, welche Verhaltensweisen im Bereich des – seelischen und körperlichen – Umgangs von Erwachsenen mit Kindern gesellschaftlich akzeptiert sind und welche nicht. Berührt ein Lehrer in der Turnstunde ein Mädchen zur Hilfestellung bei einer schwierigen Übung kurz an einer „falschen“ Stelle, gehen sogleich endlose Diskussionen los rund um die Frage, ob es sich dabei nun um einen sexuellen Übergriff gehandelt haben könnte oder bloss um eine notwendige, unverzichtbare Massnahme zwecks Schutz und Sicherheit des betreffenden Kindes. In der letzten Zeit häufen sich auch Fälle von männlichen Kitaangestellten, denen sexuell übergriffiges Verhalten gegenüber Kindern zur Last gelegt wird – nicht wenigen der Betroffenen wird es in der Folge verwehrt, weiterhin einen Beruf auszuüben, bei dem sie mit Kindern in Kontakt sind, und bereits gibt es Kitas, die generell keine Männer mehr anstellen, weil sich Eltern weigern, ihr Kind einem Mann anzuvertrauen. Gewiss, grenzüberschreitendes, verletzendes, übergriffiges Verhalten und Machtmissbrauch von Erwachsenen gegenüber Kindern dürfen in keinster Weise verharmlost werden. Schaut man sich aber die in den Medien und in der Öffentlichkeit diskutierten Fälle etwas genauer an, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob da nicht manchmal mit allzu grossen Kanonen auf allzu kleine Spatzen geschossen wird. So etwa habe ich in einem dieser Zeitungsartikel als Hinweis auf „pädophiles“ Verhalten die Beobachtung eines Vorgesetzten vorgefunden, welcher einen Kita-Angestellten dabei ertappt hatte, wie er sich über ein Kind gebeugt habe und erschrocken hochgefahren sei, als der Vorgesetzte den Raum betrat. Sich zu einem Kind hinunterbeugen kann wohl kaum etwas Verwerfliches sein, und erschrak der betreffende Angestellte vielleicht nur deshalb so sehr, weil er befürchtete, das Hinunterbeugen könnte schon als Hinweis auf ein mögliches übergriffiges Verhalten gedeutet werden? In einem anderen Artikel fand ich fünf Symbolbilder im Zusammenhang mit übergriffigem Verhalten. Auf vier Bildern war überhaupt kein Erwachsener zu sehen, nur Kinder mit Stofftieren oder anderen Spielsachen. Auf dem fünften Bild sah man einen Kitaangestellten, der einem Kind, das auf seinem Schoss sass, ein Bilderbuch erzählte…
Das bringe ich dann mit dem besten Willen nicht zusammen mit so vielen anderen Vorkommnissen im Umgang von Erwachsenen mit Kindern und Jugendlichen, die offensichtlich als völlig „normal“ und „selbstverständlich“ akzeptiert sind und, wenn überhaupt, nicht im Geringsten eine so grosse Empörung auslösen wie die beschriebenen Fälle von „Pädophilie“. Ich denke an einen Lehrer, der einer Schülerin einen Schlüsselbund ins Gesicht warf, bloss weil sie zu Beginn der Lektion nicht augenblicklich still sein und ihm zuhören wollte. An einen anderen, der eine ganze Klasse zum Nachsitzen verdonnerte, weil sich drei Schüler übermässig rüpelhaft benommen hatten – obwohl Kollektivstrafen schon längstens gesetzlich verboten sind. Aber das sind noch harmlose Fälle im Vergleich zu jenem Lehrer, der einen Jugendlichen ausländischer Herkunft im Verlaufe des Unterrichts dermassen grob beschimpfte und ihm zu verstehen gab, dass aus ihm nie „etwas Rechtes“ werden würde, dass sich dieser anschliessend von einer Brücke stürzte und schwerverletzt neben dem Bahngeleise liegen blieb, ohne dass dies irgendwelche Konsequenzen für den Lehrer gegeben hätte, er durfte, als wäre nichts gewesen, bis zu seiner Pensionierung weiterhin unterrichten. Bezeichnenderweise werden in der von der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) geführten schwarzen Liste von Lehrpersonen mit einem Tätigkeitsverbot als Kriterien ausschliesslich „Sexualdelikte“, „psychische Probleme“ und „Suchterkrankungen“ aufgeführt, nicht aber so jeglicher pädagogischer Wertehaltung widersprechende Verhaltensweisen wie herabwürdigende Behandlung von Schülerinnen und Schülern, Entmutigung, Misstrauen, Schwächung von Selbstvertrauen, Nachsitzen und andere überrissene Strafen, Kollektivstrafen, Erteilen von Strafaufgaben, Arrest und Zwangsarbeit während der Freizeit, Führen von Strafregistern, Gesprächsverweigerung gegenüber Kindern, Jugendlichen oder Eltern oder Aufforderung zu gegenseitigem Verpetzen – lauter Grenzverletzungen und Eingriffe in die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen, die nicht selten gravierende lebenslange Folgen haben können, vor allem in Form von zerstörtem Selbstvertrauen.
Die einseitige, oft geardezu künstlich aufgebauschte moralische Entrüstung im Zusammenhang mit Pädophilie – während man vor viel extremeren Formen übergriffigen Verhaltens grosszügig die Augen verschliesst – wird sogar nicht selten auch für politische Zwecke instrumentalisiert. So geschehen zum Beispiel im Mai 2017, als Natalie Rickli im Namen der SVP folgendes Postulat an den Schweizer Bundesrat einreichte, in dem sie dem weit über die Schweiz hinaus bekannten Lehrer und Reformpädagogen Jürg Jegge, der in seinem 1976 veröffentlichten Buch „Dummheit ist lernbar“ eine höchst fundierte und bis heute hochaktuelle Kritik des schweizerischen Schulsystems vorgenommen hatte, „pädokriminelles“ Verhalten vorwarf und den Bundesrat zur entsprechenden „Aufarbeitung des Falls Jürg Jegge und weiterer Missbrauchsfälle im Lichte der Reformpädagogik“ aufforderte…
Der Bundesrat wird aufgefordert, in einem Bericht den Fall Jürg Jegge und weitere Missbräuche von Pädokriminellen und entsprechende Vorfälle in Institutionen (Schulen, Kirchen, Heime, Vereine, usw.) während der Sechziger- bis Achtzigerjahre im Lichte der Reformpädagogik aufzuarbeiten…. Der sexuelle Missbrauch von verschiedenen Jungen durch Jürg Jegge wurde nur dank eines Opfers publik, das ein Buch über die Übergriffe verfasst hat. Vorher wurde Jürg Jegge als Reformpädagoge und „Lehrer der Nation“ gefeiert. Er gibt die Missbräuche zu, redet diese aber schön und zeigt keine Reue… Diese Aussagen zeigen, wie wichtig es ist, nicht nur den Fall Jegge, sondern die Geschehnisse der damaligen Zeit und die Auswirkungen der Reformpädagogik zu untersuchen, so wie dies beispielsweise in Deutschland getan wurde…
Gibt man heute im Internet den Namen Jürg Jegge ein, so stösst man schon im ersten der angezeigten Artikel auf den Hinweis „Sexueller Missbrauch minderjähriger Schüler“. An zweiter Stelle erscheint der Link zu einem SRF-Artikel mit dem Titel „Sexueller Missbrauch in Jürg Jegges geschlossenem System“, daneben, unter dem Titel „Ausführliche Informationen zu Jürg Jegge“, findet man als erstes der aufgelisteten Stichwörter, unter denen zusätzliche Fenster geöffnet werden können: „Jürg Jegges Missbrauch.“ An vierter Stelle gelangt man zu einem Artikel der NZZ mit dem Titel „Jürg Jegge und der Missbrauch“. An fünfter Stelle liest man auf der Internetseite von „Meilleur-en-suisse“: „So lebt es sich als Unhold der Nation.“ An sechster Stelle folgt ein Zitat aus dem „Tagesanzeiger“: „Jürg Jegge rechtfertigt sexuelle Übergriffe“. An siebter Stelle meldet die Justizdirektion des Kantons Zürich: „Untersuchungsbericht Jürg Jegge liegt vor“. Und an achter Stelle spricht die „Aargauer Zeitung“ vom „gefallenen Starpädagogen“. Wer sich auf Wikipedia ein möglicherweise etwas differenzierteres Bild machen möchte, findet dort dann folgende Ausführungen…
Im April 2017 veröffentlichte Jegges ehemaliger Schüler Markus Zangger zusammen mit dem Journalisten Hugo Stamm das Buch „Jürg Jegges dunkle Seite“, in dem er ihm jahrelangen psychischen und sexuellen Missbrauch vorwirft. Hierauf führte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung mit Hausdurchsuchung und Befragungen durch. In ihrer Medienmitteilung vom 5. Oktober 2017 gab die Staatsanwaltschaft bekannt: „Nach intensiven Ermittlungen und Befragungen von Personen, die als Jugendliche mit dem Beschuldigten Kontakt hatten, kam die Staatsanwaltschaft zum Schluss, dass gemäss Angaben der befragten Personen keine oder bereits verjährte strafbare Handlungen stattgefunden hatten.“ Sie stellte das Verfahren ein, die Kosten wurden Jegge auferlegt… Nach dem Erscheinen des Buches hatte auch die Bildungsdirektion des Kantons Zürich einen Untersuchungsbericht in Auftrag gegeben, der 2018 veröffentlicht wurde. In diesem Bericht wurden sämtliche relevanten Akten gesichtet und Gespräche mit den involvierten Personen geführt. Im Bericht steht, es enthalte „kein einziger Protokollvermerk auch nur eine Andeutung, dass Missbrauchsverdacht bestanden haben könnte. Aber aus zahlreichen Protokollvermerken geht hervor, dass über den Unterrichtsstil von Jegge sehr intensiv und ebenso kontrovers diskutiert wurde, und dies über Jahre.“ Den damaligen Behörden sei allenfalls vorzuwerfen, dass sie Jegge „zu grosse Freiheiten zugestanden“ hätten… Jegges Hauptverlag Zytglogge hatte gleich nach Bekanntwerden der Vorwürfe alle seine noch erhältlichen Bücher aus dem Programm genommen. An deren Stelle publizierte der Verlag 2018 ein Buch mit dem Titel „Ist Dummheit lernbar? Re-Lektüre eines pädagogischen Bestsellers“, in dem Jegges Buch einer teilweise geradezu furiosen Kritik unterzogen wurde, mit Beiträgen von insgesamten elf Autorinnen und Autoren, darunter so prominente Namen wie Jürgen Oelkers oder Peter Schneider. Im Vorwort des Buches schreibt Mitherausgeber Damian Miller, „Dummheit ist lernbar“ entspräche den „Stilmerkmalen des Volksmärchens“, was weitgehend eine Erklärung sei für die Attraktivität dieses Buches.
Die Rechnung Natalie Ricklis und aller anderen, denen dieser unbequeme, zugleich aber höchst erfolgreiche Pädagoge schon lange ein Dorn im Auge gewesen war, ist aufgegangen: Jürg Jegges Ruf wurde komplett ruiniert, aber nicht nur sein persönlicher Ruf, sondern im gleichen Aufwisch die gesamte Reformpädagogik der Sechziger bis Achtziger Jahre. Wer heute nach Informationen zu Jürg Jegge, seinem Buch „Dummheit ist lernbar“ und zu den Inhalten der Reformpädagogik sucht, trifft an erster Stelle bzw. fast ausschliesslich auf angeblichen sexuellen Missbrauch Jugendlicher und erfährt nichts mehr darüber, dass Jürg Jegge ein hervorragender Pädagoge war, wie kein anderer das Selbstvertrauen seiner Schülerinnen und Schüler zu stärken vermochte und selbst Jugendliche, die miserable Schulkarrieren hinter sich hatten, überaus erfolgreich in ihr zukünftige Berufsausbildung hineinführen konnte – so manche spätere Erfolgsgeschichte „gescheiterter“ Jugendlicher, sowohl was Beruf wie auch Privatleben betrifft, verdankten sie diesem Lehrer, einem wahren Lern- und Lebensbegleiter, der unermüdlich an das Gute im Menschen glaubte und sich stets an den Stärken und nicht an den Schwächen der ihm anvertrauten jungen Menschen orientierte. Man erfährt auch nichts mehr über sein Buch „Dummheit ist lernbar“, das man auch heute noch geradezu als eines der Standardwerke schweizerischer pädagogischer Literatur bezeichnen müsste, ist die darin aufgezeigte Kritik an einem Schulsystem, das sich viel zu stark auf die Defizite von Kindern und Jugendlichen ausrichtet und dem es viel zu wenig gut gelingt, das immense Begabungspotenzial, das in jedem Kind von Anbeginn seines Lebens schlummert, umfassend auszuschöpfen, auch und ganz besonders heute noch hochaktuell.
Die Demontage von Jürg Jegge und die Diffamierung der gesamten Reformpädagogik, alles zusammen in den gleichen Topf geworfen, ist richtiggehend ein Lehrstück dafür, wie unbequeme, nicht an die herrschende Norm angepasste Menschen und von ihnen entwickelte, gelebte und in die Praxis umgesetzte Innovationen, die gängigen Wertvorstellungen zuwiderlaufen bzw. ihrer Zeit weit vorauseilen, systematisch zerstört und ihrer gesellschaftlichen Relevanz beraubt werden können. Am Ende stehen nicht die am Pranger, welche mit Unterstellungen, dem Schüren von Feindbildern, Schuldzuweisungen und blossen Verdächtigungen dringende gesellschaftspolitische Fortschritte und Innovationen blockieren und unterdrücken, sondern ausgerechnet jene, welche sich mit Liebe und Leidenschaft für eine bessere und menschlichere Zukunft engagieren. Fast wie im 17. und 18. Jahrhundert bei den Hexenprozessen, bei denen nicht die Folterer und Mörder unschuldiger Frauen am Pranger standen und verurteilt wurden, sondern ihre Opfer, deren einziges „Verbrechen“ darin bestand, tiefere Kenntnisse über das Wirken natürlicher Heilkräfte gehabt zu haben, was in zu grossem Widerspruch stand zu den Erkenntnissen aus den Anfängen „moderner“ Wissenschaften.
Wie sehr sich unter dem öffentlichen Druck selbst Erziehungs- und Bildungsverantwortliche, die vorher von Jürg Jegge und seinen Ideen voller Begeisterung gewesen waren, nun nach und nach von ihm abzuwenden begannen und ihre Ansichten gleich Windfahnen wechselten, zeigt folgender Kommentar von Heinz Moser im „Infosperber“ vom 24. Oktober 2017, einem im Allgemeinen durchaus kritischen und differenzierten Publikationsorgan. Zu Jürg Jegges Hauptwerk „Dummheit ist lernbar“ äusserte sich Moser wie folgt…
Hinweise zu Handlungen, die mit Missbrauch und sexuellen Übergriffen verbunden sein könnten, finden sich im Buch keine. Erst aus der Rückschau wird es einem unbehaglich, wenn man liest, wie Jegge die Lehrperson – und damit auch sich selbst – überhöht. Denn Jegge vertritt eine problematische Beziehungspädagogik. Sie kommt zum Tragen, wenn bei Kindern alle Versuche zum Aufbau tragfester Beziehungen gescheitert sind. Jegge wörtlich: „Ich habe dem Kind nun beim Aufbau dieser Beziehung zu helfen. Das klingt sehr schön, aber was heisst das konkret?“ Er beantwortet dies gleich selbst damit, dass der Lehrer jetzt eine Art „Dreierrolle“ Lehrer/Therapeut/älterer Kamerad einzunehmen habe. Damit dürften Lehrpersonen jedoch vollständig überfordert sein: Lehrpersonen sind Fachleute für das Unterrichten. Dazu benötigen sie zwar psychologische Kenntnisse. Aber sie sind keine Therapeuten. In der Vermischung dieser Rollen liegt sicher eine der Ursachen, die den Missbrauch begünstigten – vor allem wenn dann auch noch der Unterschied zwischen Lehrer und Schüler zur Kameradschaft umgedeutet wird. Da plaudert dann Jegge in seinem Buch: „Natürlich werde ich nicht sagen: ‚Komm einmal her, wir machen jetzt ein Seelenstündlein‘. Aber es gibt ja genug Gelegenheiten: Kasten aufräumen, Schulzimmer in Ordnung bringen. Mithelfen bei Vorbereitungen für bestimmte Unterrichtseinheiten, im Lager usw. Es gibt auch Schüler, die sich schlicht bei mir zum Kaffee einladen“. Offensichtlich hat es Jegge versäumt, für sich selbst klar festzulegen, welches die Grenzen solcher „Gelegenheiten“ sind.
Was bitte, soll daran „problematisch“ sein, wenn ein Lehrer die Rolle eines „Therapeuten“ oder „älteren Kameraden“ einnimmt? Gegenseitiges Vertrauen und eine auf Wertschätzung und Zuwendung basierende Beziehung zwischen dem Kind und seiner „Erziehungsperson“ bilden doch – dies ist sogar wissenschaftlich längst erwiesen – eine der wesentlichsten Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen und eine positive Persönlichkeitsentwicklung, im Besonderen für Kinder und Jugendliche, die wenig Selbstvertrauen und Glauben an ihre eigenen Stärken haben, und genau mit solchen Jugendlichen hatte es Jegge in seiner Tätigkeit vor allem zu tun. Lehrpersonen sollen damit „überfordert“ sein? Was für ein Unsinn, genau das ist doch ihr beruflicher und gesellschaftlicher Hauptauftrag, der allerdings von nicht wenigen Lehrpersonen oft viel zu wenig wahrgenommen wird. Lehrer sollen „keine Therapeuten“ sein? Was ist denn das für ein Verständnis einer therapeutischen Beziehung. Jede Personen, die für eine andere Person Verantwortung übernimmt und sich wertschätzend um die Bedürfnisse und Entwicklung dieser Person kümmert, übernimmt damit doch automatisch eine Art „therapeutischer“ Funktion, was soll daran falsch oder schlecht sein? Die „Vermischung“ von Rollen sei zu vermeiden? Wie soll das gehen? Ein Mensch begegnet doch immer einem anderen Menschen in seiner Ganzheit, sonst ist er nicht authentisch. Das hier geforderte „Trennen“ von Rollen kann sogar höchst problematische Folgen haben, so wie das auch von neueren Studien belegt wird: Weil Kinder ihre Lehrpersonen meist in der Rolle derer erleben, von welchen sie geprüft, kontrolliert, bewertet oder oft sogar bestraft werden, wenden sich Kinder und Jugendliche, wenn sie ein persönliches, sie belastendes Problem haben, kaum je an ihre Lehrerinnen oder Lehrer, weitaus häufiger holen sie sich bei ihren Klassenkolleginnen oder Klassenkollegen Rat. Das ist dann das Resultat, wenn sich ein Lehrer bloss für eine der möglichen Rollen entscheidet und nicht stets in seiner Ganzheit und Authentizität dem Kind gegenübertritt. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an das vielleicht schönste Kompliment, das mir eine Schülerin vor vielen Jahren einmal machte, als sie sagte: „Sie sind nicht ein Lehrer, Sie sind ein Mensch!“ Es muss ja schon sehr zu denken geben, wenn für viele Schülerinnen und Schüler ein Lehrer und ein Mensch nicht das Gleiche sind. Und weiter: Das fehlende Trennen von Rollen soll „Missbrauch begünstigen“? Wiederum eine völlig aus der Luft gegriffene Schlussfolgerung. Echte Zuwendung, Wertschätzung, Liebe in einem umfassenden Sinne, wie sie auch von Pestalozzi so eindringlich gefordert wurde, hat doch nichts zu tun mit „Missbrauch“. Ganz im Gegenteil: Von „Missbrauch“ müsste man eigentlich eher dann sprechen, wenn ein Lehrer seine Rolle als „Erzieher“ dazu missbraucht, in Form von Strafen, Herabwürdigung, fehlender Wertschätzung gegenüber den ihm anvertrauten Kindern und Jugendlichen Macht auszuüben, die er nur deshalb in Anspruch nimmt, weil er älter ist und die Privilegien des „Vorgesetzten“ bzw. „Übergeordneten“ geniesst, zum Beispiel, wenn er selber ganz selbstverständlich, was gang und gäbe ist, nach der Pause zehn Minuten zu spät in den Unterricht kommt, seinem Schüler aber, der das Schulzimmer nur eine Minute zu spät betritt, eine saftige Strafe aufbrummt. Und mit den Vorschlägen, gemeinsam mit dem Schüler einen Kasten aufzuräumen oder gar – oh Schreck! – einen Kaffee zu trinken, soll Jegge es „versäumt* haben, für sich selbst „klar festzulegen“, welches die „Grenzen solcher Gelegenheiten“ sind? Das ist nun schon dermassen absurd, dass man eigentlich nur noch lachen kann. Aber eigentlich ist es nicht lustig. Um Jürg Jegge von seinem „Thron“ zu stürzen, brauchte es nicht nur politische Hardliner wie die SVP-Frau Natalie Rickli, sondern auch all jene früheren Weggefährten, die jetzt, wenn es ihnen selber an den Kragen gehen könnte, den Kollegen von früher wie eine heisse Kartoffel fallen lassen und ihnen dabei jedes noch so absurde Argument noch so gelegen kommt.
Führen wir uns den Auszug aus dem im Jahre 2018 von der Bildungsdirektion des Kantons Zürich veröffentlichten Untersuchungsbericht zum „Fall“ Jürg Jegge noch einmal vor Augen, er besagt eigentlich alles: In diesem Bericht wurden sämtliche relevanten Akten gesichtet und Gespräche mit den involvierten Personen geführt. Im Bericht steht, es enthalte kein einziger Protokollvermerk auch nur eine Andeutung, dass Missbrauchsverdacht bestanden haben könnte. Aber aus zahlreichen Protokollvermerken geht hervor, dass über den Unterrichtsstil von Jegge sehr intensiv und ebenso kontrovers diskutiert wurde, und dies über Jahre. Den damaligen Behörden sei allenfalls vorzuwerfen, dass sie Jegge zu grosse Freiheiten zugestanden hätten. Im Klartext: Die Missbrauchsvorwürfe hatten sich bereits 2018 in Nichts aufgelöst. Diese Tatsache aber genügte offensichtlich nicht für die Rehabilitation von Jürg Jegge. In den Medien, in der Öffentlichkeit, in unseren Köpfen haben Verdächtigungen, Verleumdungen und negativ geschürte Emotionen tiefere und bleibendere Spuren hinterlassen als die Tatsachen. Im nächsten Satz heisst es, über Jegges Unterrichtsstil sei „intensiv“ und „kontrovers“ diskutiert worden, und dies „über Jahre“. Das ist nicht in Frage zu stellen, hat aber nichts zu tun mit den Missbrauchsvorwürfen, sondern einzig und allein mit der Tatsache, dass Jegge den Mut und den Weitblick besass, ein Schulsystem zu kritisieren, das sich aus seiner – zutiefst pädagogischen Sicht – viel zu wenig an den tatsächlichen Lern- und Lebensbedürfnissen von Kindern und Jugendlichen orientiert. Wenn den Behörden „allenfalls vorzuwerfen“ ist, sie hätten Jegge „zu grosse Freiheiten“ zugestanden, so hat auch diese Aussage wohl kaum etwas mit den möglichen – und wahrscheinlich gar nicht vorhandenen – sexuellen „Verfehlungen“ zu tun, sondern damit, dass er sich, aus seinem pädagogischen Verantwortungsgefühl heraus, immer wieder gezwungen sah, an die Grenzen schulischer Systemzwänge zu gehen und manchmal auch darüber hinaus, und sich die „Systembewahrer“ logischerweise gewünscht hätten, einem solchen „widerspenstigen“ Lehrer engere Grenzen zu setzen, was freilich nicht nur das Schicksal Jürg Jegges ist, sondern auch sämtlicher anderer Lehrerinnen und Lehrer, die aufgrund ihrer pädagogischen Wertehaltung unweigerlich früher oder später mit dem herrschenden Schulsystem in Konflikt geraten.
Und so ist die Welt wieder in Ordnung. Der störrische Lehrer, der „Lehrer der Nation“, ist zum „Unhold der Nation“ geworden. Bravo! Nun können die Lehrerinnen und Lehrer wieder Schlüssel in die Gesichter ihrer Schülerinnen und Schüler werfen, ihnen Kollektivstrafen aufbrummen, sie zu Zwangsarbeit in ihrer Freizeit verknurren und sie so brutal klein machen, dass sie ihr ganzes Selbstwertgefühl verlieren. Und niemand schreit auf. Aber wehe, ein Kitaangestellter beugt sich zu tief über ein Kind, um es aufzuwecken, oder kommt gar auf den perversen Gedanken, ein Kind auf seinem Schoss sitzen zu lassen, während er ihm aus einem Bilderbuch erzählt…
Es sind genau 50 Jahre her, als Jürg Jegge sein Buch „Dummheit ist lernbar“ veröffentlichte. Es lag damals viel Hoffnung in der Luft, das Schulsystem könnte sich in der Richtung weiterentwickeln, wie Jegge es in seinem Buch skizzierte. Diese Hoffnung hat sich inzwischen leider zerschlagen. Heute befindet sich das einst gefeierte Werk des mittlerweile von seinem „Thron gestossenen Lehrers der Nation“ auf der Abschussliste, vielleicht noch auf den hintersten Regalen eines Buchantiquariats und man muss schon dankbar dafür sein, dass man es überhaupt noch käuflich erwerben kann. Öffnet man die Webseite des „Zytglogge-Verlags“, in dem Jegges Buch, das inzwischen über 200’000 Mal verkauft wurde und dabei nur von Alexanders Neills‘ Beststeller „Antiautoritäre Erziehung“ übertroffen wurde, erstmals erschien, kann man Folgendes lesen…
Nachdem bekannt wurde, dass Jegge Schüler sexuell missbraucht hat, sucht man immer wieder nach Erklärungen, wieso „Dummheit ist lernbar“ zur Geburtsurkunde eines „neuen Pestalozzi“ werden konnte. Die grosse Bekanntheit, breite Akzeptanz und die unkritische Auseinandersetzung mit dem Buch nähren die Annahme, dass „Dummheit ist lernbar“ die Leserinnen und Leser von links bis rechts faszinierte, trotz der darin enthaltenen vernichtenden Lehrer- und Schulkritik. Was aber hat diese Faszination und Bewunderung ausgelöst?
Krasser lässt sich der „Wertewandel“, der in diesen 50 Jahren stattgefunden haben muss, wohl nicht erahnen. Der gleiche Verlag, der das Buch damals veröffentlichte und in allen Tönen anpries, fragt sich heute, 50 Jahre später, nach den Gründen dieser damaligen, also auch seiner eigenen, Faszination. Es hätte, so der Verlag, damals an einer „kritischen Auseinandersetzung“ mit dem Buch gefehlt. Doch wer hätte diese vornehmen sollen, wenn nicht der Verlag selber, der das Buch ja dann konsequenterweise gar nicht hätte veröffentlichen dürfen. Endgültig entlarvend ist der Vorwurf, das Buch enthalte eine „vernichtende Lehrer- und Schulkritik“. Kritisches Hinterfragen etablierter Machtsysteme, vor 50 Jahren offensichtlich noch eine Art Tugend – sonst hätte das Buch wohl kaum einen derartigen Erfolg feiern können -, wird heute als „Vernichtung“ bezeichnet.
Zum Glück steht auf meinem Bücherregal noch ein schon etwas vergilbtes Exemplar dieses „Teufelswerks“. Ich schlage es auf und beginne es wieder zu lesen. Und bin noch immer genauso fasziniert wie vor 50 Jahren…
„Wenn wir Leseaufgaben bekamen, machte ich sie überhaupt nicht mehr“, erzählt Ruedi, „denn ich dachte ja, ich sei dumm, für was also lernen. So verlor ich langsam mein Selbstvertrauen. Wenn es in der Schule so weitergehen würde, was würde ich wohl für einen Beruf erlernen können? Wenn ich daran dachte, war ich seelisch einfach fertig. Als ich das nächste Mal ein Zeugnis bekam, stand darin: Versetzung in die Sonderklasse B. Da sagte mein Vater: „Mit dir ist alles verloren.“… Fritz war in seiner Klasse immer der Letzte, der Dümmste. Sogar seine Zeichnungen wurden zusehends ärmer, er hatte keine Freude mehr, nicht einmal mehr am Zeichnen, und schliesslich behauptete er, überhaupt nichts zu können. So sass er Tag für Tag in der Schule und hatte unvorstellbare Angst: Angst, „dranzukommen“, Angst, etwas nicht zu können, Angst, ausgelacht zu werden, Angst, eine Strafe zu erhalten. Er erzählte später, er hätte oft nächtelang nicht geschlafen. Aus Angst. Nun sitzt er in der Sonderklasse, völlig überzeugt, dass er nichts kann und nie etwas können wird. Er hat sich selbst aufgegeben… Ein Kind, das wirkliche Geborgenheit, wirkliche Sicherheit erlebt, weiss sich um seiner selbst willen geliebt. Es hat die Gewissheit: Man mag mich leiden, so wie ich nun eben bin. Viele Kinder haben ebendieses Bewusstsein nicht entwickeln können. Ob sie akzeptiert werden, hängt davon ab, ob es ihnen gelingt, den herrschenden Verhaltens- und moralischen Normen zu entsprechen… So finden sich unter „frechen“, „verhaltensauffälligen“ usw. Schülern sehr viele ängstliche, unglückliche Kinder, die nur eines suchen: Sicherheit, Geborgenheit, Liebe. Aber sie wissen ihr Bedürfnis nicht anders auszudrücken als durch Frechheit… Selbstaufgabe kann sich auf zweierlei Arten äussern. Ein Mensch kann den Kontakt mit seiner Umwelt auf ein Minimum beschränken oder ganz aufgeben und sich völlig in sich selbst zurückziehen. Er kann aber auch auf andere Weise aus den zwischenmenschlichen Beziehungen aussteigen. Eben, indem er beispielsweise kriminell wird. Auf den Trümmern seines Ich baut er gewissermassen eine zweite, negative Identität auf; „So werde ich doch wenigstens ein guter Gauner.“ In beiden Fällen ist der Ausgangspunkt derselbe. Er hat es völlig aufgegeben, aus sich selbst noch irgend etwas Positives zu machen… Die Beschränkung sogenannter „lernschwacher“ Kinder ist keineswegs Schicksal. Sie ist das Resultat eines Prozesses, bei dem die Kinder in ihrer Entfaltung behindert und eingeschränkt wurden, durch sozio-kulturelle und seelische Faktoren… Man mag mich wegen meiner Kritik an der Schule einen Nestbeschmutzer nennen, doch wer das tut, beweist damit höchstens, dass er Veränderungen gegenüber grundsätzlich negativ eingestellt ist. Denn einer Schule, die nicht kritisiert werden darf, wird offenbar keine Entwicklungsfähigkeit zugetraut…
Jeder und jede, die Jegges Buch liest, mag selber entscheiden, ob es sich dabei um eine Form von „Vernichtung“ handelt, wie es der Zytglogge-Verlag auf seiner aktuellen Website schreibt, oder ob der damalige Erfolg des Buches bloss damit zu erklären ist, dass es, wie Damian Miller in seinem Jegge-Verriss behauptet, im „Stile eines Volksmärchens“ geschrieben ist, oder es sich bei diesem Buch doch nicht viel eher um ein pädagogisches Standardwerk handelt, das seine Aktualität und Dringlichkeit bis heute nicht verloren hat und gerade in der heutigen Zeit, da sich das bestehende Schulsystem immer tiefer in seine eigenen Widersprüchlichkeiteb verstrickt und immer schmerzlicher an seine Grenzen gelangt – nicht nur für die Kinder und Jugendlichen selber, sondern auch für die Eltern, die Lehrerinnen und Lehrer und die Schulbehörden -, unbedingt von möglichst vielen Lehrerinnen, Lehrern sowie allen anderen im Schul- und Erziehungswesen Tätigen wieder neu gelesen werden müsste.
Zurück zum Anfang des Artikels, in dem ich von der teilweise geradezu überrissenen moralischen Empörung sprach bei nur geringsten Hinweisen auf möglicherweise pädophiles Verhalten von Erziehungspersonen bei gleichzeitig nahezu völliger Blindheit gegenüber anderen, von Erwachsenen gegenüber Kindern und Jugendlichen ausgeübten Formen von Gewalt, bei denen kaum jemand auf den Gedanken kommt, sie als „krankhaft“ oder „pervers“ zu bezeichnen. Dann sprach ich davon, dass auf dem Hintergrund dieses Zeitgeists moralischer Empörung das Lebenswerk eines der bedeutendsten Schweizer Pädagogen systematisch zerstört wurde, ohne dass bis heute jemals auch nur annähernd eine Rehabilitation stattgefunden hätte. Im Gegenteil: Wahrscheinlich lesen heute mehr Menschen den Verriss von Jegges Buch als das Buch selber und machen sich über das Buch lieber ein Bild aufgrund dessen, was andere über Jürg Jegge sagen und schreiben, als aufgrund dessen, was er selber gesagt und geschrieben hat. Von der Reformpädagogik selber gar nicht zu reden, dafür interessiert sich ja heute sowieso kein Schwein mehr, ist sie doch mittlerweile etwa in gleich verallgemeinernder und fahrlässiger Art und Weise mit dem Ruch von Pädophilie verknüpft wie etwa auch der Begriff „Ausländer“ mit dem Begriff „Kriminalität“ verknüpft ist. Obwohl man, würde man diese Vorurteile und Feindbilder beiseite schieben, schnell einmal entdecken würde, dass genau in der Reformpädagogik der Sechziger bis Achtziger Jahre all jene Ansätze zu finden sind, welche das heutige Schulsystem für eine pädagogische Erneuerung dringendst brauchen könnte.
Moralische Empörung, die übers Ziel hinausschiesst. Normalisierung vielerlei Formen alltäglicher Gewalt. Willkürliche, von den jeweils herrschenden Machtverhältnissen abhängige Definition betreffend „perverse“ oder „normale“ menschliche Verhaltensweisen. Anpassungen und Verbiegungen moralischer Grundwerte je nach Zeitgeist. Wortgläubigkeit. Kritisches Übernehmen von Meinungen und Behauptungen über Menschen, die man selber gar nicht kennt. Verallgemeinerungen. Jürg Jegge hatte schon Recht: Dummheit ist lernbar. Das wirklich Dumme ist nur, dass wir in diesen 50 Jahren, seit dieses Buch erschien, nicht viel weiter gekommen zu sein scheinen. Zumindest nicht so weit, wie wir mit permanenter Selbstkritik, Unvoreingenommenheit und Wahrheitsliebe im Verlaufe von 50 Jahren eigentlich hätten kommen können.

