Weltwirtschaftswachstum als Klimakiller

Trotz internationaler Bemühungen, den Klimawandel zu bremsen, steigt der Energieverbrauch weltweit weiter an – allein im vergangenen Jahr um mehr als zwei Prozent. Der Löwenanteil entfällt auf besonders klimaschädliche fossile Energien, allen voran Gas. Das berichtet die internationale Energieagentur (IEA) in ihrer neuesten Bestandesaufnahme. Grund für den wachsenden Energiehunger sei vor allem die starke Weltwirtschaft. Denn wenn die Wirtschaft wächst, wird in Industriebetrieben mehr produziert und global mehr transportiert. Dafür braucht es dann mehr Energie.

(www.srf.ch)

Klimaschutz und Wirtschaftswachstum – beides ist nicht zu haben, das wäre eine reine Illusion. Deshalb ist der Slogan «System Change not Climate Change» der Klimastreikbewegung so wichtig und elementar und darf sich durch eine falsch verstandene «Kompromissbereitschaft» seitens der Jugendlichen auf keinen Fall verwässern oder gar auflösen.

Zürcher Kantonsratswahlen: die grüne Spitze gebrochen

«Die Grünen haben bei den Zürcher Kantonsratswahlen neun Sitze dazugewonnen, die Grünliberalen ebenfalls neun. So ein klares Resultat habe ich niemals erwartet. Es freut mich extrem, dass das Engagement der Klimastreik-Bewegung bei den Wählern ein Umdenken ausgelöst hat. Aber die Grünen und die GLP müssen endlich unsere Forderung nach Netto 0 Treibhausgasemissionen bis 2030 aufnehmen. Selbst die grünen Parteien denken noch viel zu wenig radikal. Lenkungsabgaben auf Flugtickets reichen nicht! Man sollte gar nicht mehr fliegen und gar nicht mehr Auto fahren. Der Wertewandel in der Bevölkerung muss rasch voranschreiten, sonst ist es zu spät für unser Klima. Persönlich bin ich froh, dass ich im Sommer 18 Jahre alt werde und bei den nationalen Wahlen im Herbst an die Urne gehen kann. Es braucht eine grundlegende Veränderung: Entscheidend ist, dass endlich alle etablierten Parteien realisieren, dass der Klimawandel uns alle betrifft.»

(Fanny Wisler, Klimaaktivistin, in: www.watson.ch)

Mit dem Erfolg der «grünen» politischen Kräfte scheint die Klimastreikbewegung der Jugendlichen ein wichtiges Etappenziel erreicht zu haben. Allerdings kann man das Ganze auch weniger euphorisch sehen: Nicht die radikalen Jugendlichen, sondern relativ moderate, gemässigte Politiker und Politikerinnen der Grünen und der Grünliberalen sitzen jetzt im Zürcher Kantonsrat. Keiner und keine von ihnen, soweit dies abzusehen ist, verlangt ein totales Flugverbot oder eine Abschaffung des privaten Motorfahrzeugs. Die Spitze der Klimaschutzbewegung ist gebrochen, sozusagen ins System eingebunden. Und alle können sagen: Was wollt ihr denn noch, weshalb geht ihr denn immer noch auf die Strasse, nun habt ihr ja eure politischen Mehrheiten in den Parlamenten. Umso wichtiger sind dann Stimmen wie jene von Fanny Wisler, die daran erinnern, dass dies alles eben bei weitem nicht genügt, sondern dass wir – wenn es uns mit dem Schutz des Klimas wirklich ernst ist – nicht darum herum kommen, weit radikalere Lösungen zu suchen als solche, die in einem heutigen schweizerischen bzw. kantonalen Parlament mehrheitsfähig sind. Deshalb kann man die jungen Leute nur ermuntern: Bleibt auf der Strasse, gebt nicht auf, bleibt hartnäckig, bis auch die radikalsten eurer Forderungen bis hin zu einem grundsätzlichen Paradigmawechsel in Politik und Wirtschaft erfüllt sind.

Es geht nicht bloss um Auswüchse. Es geht um das Ganze.

«Die Ökonomie steckt in einer Krise. Die herkömmlichen Lehrmeinungen und Rezepte haben versagt. Unsere Wissenschaft hat Mühe, überzeugende Antworten auf die jetzigen Probleme zu liefern.»

(Sergio Rossi, Professor für Makroökonomie und Geldpolitik an der Universität Freiburg, in: NZZ am Sonntag, 24. März 2019)

Mit anderen Worten: Es braucht Alternativen zum heutigen Wirtschafts- und Finanzsystem. Die Probleme, die der Kapitalismus verursacht, lassen sich nicht mit Rezepten des Kapitalismus lösen. Es geht nicht bloss um Auswüchse. Es geht um das Ganze. Der Kapitalismus hat versagt. Wir brauchen eine neue, nicht auf Profit und Wachstum ausgerichtete Wirtschaftsordnung. Eine Wirtschaftsordnung, die sich am Wohl der Menschen orientiert und am Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, so dass auch zukünftige Generationen auf dieser Erde ein Zuhause haben werden.

Lohnunterschiede von 1 zu 300

Severin Schwan, CEO von Roche, verdiente 2017 15,1 Millionen Franken, Sergio Ermotti, CEO der UBS, 14,1 Millionen Franken und Tidjane Thiam, CEO der Credit Suisse, 12,7 Millionen. Ein Taxifahrer hatte 2018 einen Monatslohn von 3150 Franken, eine Coiffeuse verdiente 3800 Franken, eine Detailhandelsangestellte 4000 Franken und ein Koch 4195 Franken.

(Tages-Anzeiger, 23. März 2019)

Rund 300 Mal mehr verdient ein CEO von Roche, von der UBS oder der Credit Suisse als ein Taxifahrer, eine Coiffeuse, eine Detailhandelsangestellte oder ein Koch. Lassen sich solche exorbitanten Lohnunterschiede mit irgendetwas rechtfertigen? Wohl kaum. Wenn wir uns vorstellen, dass alles Geld, welches im Umlauf ist, mit allem übrigen Geld, das im Umlauf ist, verbunden ist, dann sind «Löhne» von 14 oder 15 Millionen Franken nichts anderes als gestohlenes Geld – gestohlen denen, die am anderen Ende der Skala nicht einmal genug verdienen, um einigermassen menschenwürdig leben zu können. Alles ist eine Frage der gesellschaftlichen Machtverteilung, ein Kampf aller gegen alle, in dem die einen nur deshalb über so viel Macht und so viele Privilegien verfügen, weil die anderen so wenig davon haben. «Der Unterschied zwischen höherer und einfacher Arbeit», so Karl Marx, «beruht zum Teil auf blossen Illusionen, die auf der hilfloseren Lage derer beruhen, die weniger Macht haben, den echten Wert ihrer Arbeit zu ertrotzen.»

Der einzige gerechte Lohn wäre ein Einheitslohn. Mehr dazu hier: http://www.petersutter.ch/2018/12/was-ist-ein-gerechter-lohn.html

Hauptsache, es wächst

Um eine führende Rolle zu spielen, hat die im Medikamentenhandel tätige Frauenfelder Zur Rose Group seit ihrem Börsengang vor zwei Jahren mit Eurapon, Vitalsana, Apo-Rot und jüngst Medpex in Deutschland vier Online-Apotheken erworben und diese der 2012 übernommenen Doc Morris hinzugefügt. Vergangenes Jahr hat die Gruppe erstmals einen Umsatz von über einer Milliarde Franken erzielt. Anders sieht es beim Gewinn aus: 2018 resultierte beim Unternehmensergebnis ein Minus von 39,1 Millionen Franken, fast drei Millionen mehr als 2017. Aber Finanzchef Marcel Ziwica ist optimistisch: «Wachstum und der Gewinn von Marktanteilen sind momentan wichtiger als ein positives Ergebnis.»

(Tagblatt, 22. März 2019)

Augen zu und unten durch. Hauptsache, das Monster wächst – auch wenn es sich laufend selber wieder wegfrisst. Und so funktioniert doch auch der Kapitalismus insgesamt. Augen zu und unten durch. Atomkraftwerke, die das Wirtschaftswachstum hier und jetzt beschleunigen, aber so viel lebensbedrohlichen Müll produzieren, dass noch unzählige, heute noch nicht einmal geborene Generationen darunter zu leiden haben werden. Der Verkehr zu Lande und in der Luft, der unaufhörlich wächst und die Erde einem Klimakollaps entgegenführt, dessen Folgen schlicht und einfach unbezahlbar sein werden. Kreuzschiffe, die immer grösser werden und Fundamente ganzer Küstenstädte wie Venedig ins Wanken bringen…

In der nachkapitalistischen Zeit ist das Ziel der Wirtschaft nicht mehr Wachstum, sondern die Versorgung der Menschen – aller Menschen – mit den lebensnotwendigen Gütern. Dies im Einklang mit der Natur und immer im Hinblick auf künftige Generationen, die genau das gleiche Recht auf ein gutes Leben haben wie die heutige. Im Vordergrund stehen nicht Konkurrenz und Wettbewerb, sondern das Gemeinwohl und das Eingebettetsein in die Kreisläufe der Natur.

Fünf Mädchen bringen einen Präsidenten zu Fall

Der Entscheid sei ihm nicht leichtgefallen, gesteht Nursultan Nasarbajew, der Präsident Kasachstans, in einer Fernsehansprache. Doch nach 30 Jahren an der Macht habe er sich dazu entschlossen zurückzutreten. Schlussendlich waren es wohl fünf kleine Mädchen, die dem Präsidenten klarmachten, dass er als Landesvater ausgedient hat. Die Kinder waren zwischen drei Monaten und 13 Jahren alt, als sie vergangenen Monat beim Brand eines Hauses in Astana starben. Mutter und Vater konnten ihre Kleinen nicht retten, weil beide auf Nachtschicht waren, um die Familie durchzubringen. Die Tragödie löste wütende Proteste von Müttern aus: gegen miese Arbeitsbedingungen, gegen Armut, gegen schlechte Gesundheitsversorgung – und letztlich gegen das unfähige Regime.

(Tages-Anzeiger, 20. März 2019)

Es mag ja ein «unfähiges Regime» sein. Aber das ist nur ein Teil der Realität. Der andere, das ist der Kapitalismus. Was nämlich Nursultan Nasarbajew das Amt gekostet hat, könnte ebenso gut auch hierzulande – unter einem «fähigen» Regime – geschehen sein. Denn auch in der Schweiz gibt es Eltern, die aus existenziellen Gründen beide Nachtschicht arbeiten und während dieser Zeit ihre Kinder allein lassen müssen. «Zum Glück» hat sich diese Tragödie im fernen Kasachstan ereignet, so können wir bequem mit dem Finger auf einen «unfähigen» Regierungspräsidenten zeigen und so tun, als hätten wir mit dem Ganzen nichts, aber auch nicht das Geringste zu tun. In Tat und Wahrheit ist der Schuldige aber nicht der Präsident Kasachstans, sondern ein Wirtschaftssystem, das auf die gnadenlose Ausbeutung von Mensch und Natur ausgerichtet ist, in Kasachstan ebenso wie in der Schweiz und überall. Interessant ist ja die Frage, ob der schweizerische Bundesrat ebenfalls zurücktreten würde, wenn sich ein solches Unglück hierzulande ereignen würde. Wohl kaum…

«Wir können nicht einfach nur die Fassade ändern»

Im Dokumentationsfilm «Das Schweigen der Vögel», in dem es um das Verschwinden der Vögel aus der Schweizer Landschaft geht, sagt der Umweltwissenschaftler Philipp Roc: «Wir müssen diesen Wachstumswahnsinn stoppen. Dieses Modell funktioniert nicht. Die Welt hat ihre Grenzen und wir können nicht immer weiter wachsen. An ewiges Wachstum zu glauben, ist eine Illusion. An einem bestimmten Punkt ist Schluss. Es wäre besser, nicht zu warten, bis die Natur uns stoppt, wenn es kein Wasser mehr gibt und keine Nahrung und wir unsere Nachbarn wegen des letzten Stück Schinkens umbringen. Es wäre klug, ein Leben im Gleichgewicht mit der Natur anzustreben, statt mit diesem absurden System von Wachstum und Wettbewerb weiterzumachen.» Und Dominique Bourg, Professor an der Universität Lausanne, meint: «Nur so etwas nebenbei reicht nicht. Wir müssen mit voller Kraft systematisch handeln. Unser ganzes System, das sich über Jahrhunderte entwickelt har, ist betroffen. Wir können nicht einfach nur die Fassade ändern, wir müssen das System im Kern ändern.»

(«Das Schweigen der Vögel», Schweizer Fernsehen SRF1, 20. März 2019)

Wir müssen das System im Kern ändern. Mit anderen Worten: Wir müssen den Kapitalismus überwinden. Doch noch laufen wir mit Scheuklappen durch die Welt: Hier die Gewerkschaften, die sich für faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen einsetzen, aber mit Naturschutz und dergleichen nichts am Hut haben. Dort die Sozialdemokraten, die sich zwar zähneknirschend die «Überwindung des Kapitalismus» ins Parteiprogramm geschrieben haben, in der parlamentarischen Kleinarbeit aber nichts davon in die Realität umsetzen. Hier die Grünen, die sich auf Naturschutz, Energiepolitik und ökologische Themen eingeschossen haben, für die aber gewerkschaftliche Fragen ein rotes Tuch sind. Dort die Bauern, die sich wegen der Konkurrenzierung durch ausländische Produkte Sorgen machen, aber nicht im Traum auf den Gedanken kommen, dieses Problem durch eine Änderung des globalen Wirtschaftssystems anzupacken. Und so bewegen sich alle mit ihren Scheuklappen rund um den heissen Brei, ohne es offen auszusprechen, was doch, wenn man ehrlich wäre, insgeheim alle ahnen: Alles, ob Arbeitsbedingungen oder Naturschutz, ob Lohnfragen oder existenzielle Bedrohungen der Landwirtschaft, alles hängt mit allem zusammen und dieses Gemeinsame ist eben der Kapitalismus. Die Forderung, dass wir das «System im Kern ändern» müssen, können wir nur erfüllen, wenn wir alle unsere gegenseitigen Schauklappen ablegen und nicht mehr das uns voneinander Trennende und uns Unterscheidende in den Vordergrund stellen, sondern das Gemeinsame und uns Verbindende.

Sind wir alle nur noch Marionetten?

SBB-Konzernchef Andreas Meyer will im Güterverkehr weiter sparen, obwohl die Tochtergesellschaft SBB Cargo im vergangenen Jahr einen Gewinn von 12,9 Millionen Franken erzielt hat. Bis zum Fahrplanwechsel 2019/2020 sollen 170 Verladestationen mit geringer Güterfrequenz überprüft und allenfalls geschlossen werden. Klar ist: Je weniger dicht das Netz mit Verladestationen ist, desto mehr Lastwagen werden auf den Schweizer Strassen unterwegs sein.

(www.srf.ch)

Absurder geht es nicht: Obwohl ein Gewinn erzielt wurde, muss zusätzlich gespart werden. Welche unsichtbare Hand, welche «höhere» Macht zwingt uns dazu, solchen Unfug zu treiben? Sind wir alle nur noch Marionetten in einem teuflischen Spiel, das uns dazu verdammt, uns gegenseitig zu vernichten? Mehr Güter von der Schiene auf die Strasse – so ziemlich das Dümmste, was man tun kann, und allen gegenwärtigen Bemühungen gegen den Klimawandel diametral entgegen laufend.

«Die Autobranche muss zittern»

«Die Autobranche muss wieder zittern» titelt der Tages-Anzeiger am 19. März 2019. Und weiter: Die Autobranche befürchte einen «Rückfall in ein autofeindliches Zeitalter», seit die neue Umweltministerin Simonetta Sommaruga jüngst eine «Breitseite gegen Offroader» platziert habe und einen «Gleichschritt der Schweiz mit der EU bei den Klimazielen für Neuwagen» befürworte.

(Tages-Anzeiger, 19. März 2019)

So wenig also braucht es, um die mächtige Automobilbranche zum Zittern zu bringen. Wie würde diese wohl reagieren, wenn tatsächlich «autofeindliche» Politiker und Politikerinnen an die Macht kämen, die so etwas Revolutionäres wie die Abschaffung des privaten Motorfahrzeugs fordern würden? Und doch wäre dies das einzig Vernünftige. Schon heute beweisen Millionen von Europäern und Europäerinnen, dass man auch ohne Auto gut leben kann. Sie alle benützen den öffentlichen Verkehr und, wenn es anders nicht geht, ab und zu mal ein Taxi. Das private Auto ist an seine Grenzen gestossen, es richtet viel mehr Schaden als Nutzen an, es vergiftet die Umwelt, trägt zur lebensbedrohenden Klimaerwärmung bei, beeinträchtigt die Lebensqualität all jener Menschen, die entlang von Strassen leben müssen, trägt zur masslosen Verschleuderung von Rohstoffen bei, frisst Land und Geld, das man für soviel Gescheiteres brauchen könnte, gefährdet die Sicherheit von Fussgängerinnen, Kindern und Velofahrern. Das private Auto ist definitiv ein Auslaufmodell. Eine Berechtigung hat das Auto nur als Nutzfahrzeug, für Transporte, als Ambulanz, Feuerwehr, Polizei und Taxi. Würde man allerdings das private Auto tatsächlich abschaffen wollen, würde wohl ein Sturm der Entrüstung nicht nur durch die «bürgerlichen», sondern auch durch die «linken» Parteien gehen. Denn eine Abschaffung des Autos hätte den Verlust Zehntausender von Arbeitsplätzen zur Verfügung. Hier zeigt sich ein weiteres kapitalistisches Dilemma: die betriebswirtschaftliche Ordnung der Arbeitswelt. Die Schliessung eines Betriebs oder gar die Auflösung einer ganzen Branche bedeutet für die betroffenen Arbeitnehmenden und ihre Familien eine Katastrophe. Hätten wir statt einer betriebswirtschaftlichen eine gemeinwirtschaftliche Ordnung, wäre dies alles kein Problem: Es würden nur noch jene Firmen überleben, die sozial und ökologisch sinnvolle Produkte herstellen (keine Frage, dass dann zum Beispiel auch die Rüstungsindustrie ersatzlos verschwinden würde) und die Arbeitnehmenden wären dann gleichmässig auf alle diese Firmen verteilt, so dass es erstens gar keine Arbeitslosen mehr gäbe und zweitens alle Arbeitnehmenden weniger lange als bisher arbeiten müssten. «Die nächste Generation X und Y», so Oliver Gassmann, Professor am Institut für Technologiemanagement der Universität St. Gallen, «realisiert ihre Individualisierung nicht mehr über das Auto, sondern über Lebensstile».

Tierversuche: Millionenfaches Leiden

614’581 Tiere wurden 2017 für Tierversuche eingesetzt. Meist handelte es sich dabei um Nager, Mäuse fast immer, zum Teil auch Ratten. Daneben wurden jeweils rund 60’000 Fische und Vögel für Tierversuche verwendet. Nun hat eine Gruppe von Tierschützern mit 124’000 Unterschriften eine Initiative zustande gebracht, die jegliche Tierversuche verbieten will. Doch damit nicht genug. Selbst die Einfuhr jeglicher Produkte, für die Tierversuche durchgeführt wurden, soll unterbunden werden. «Das Tier ist nicht dazu da, uns Menschen für Versuche zu dienen», sagt Renato Werndli, Co-Präsident des Initiativkomitees. Die Gegner der Initiative argumentieren vor allem mit dem «Wirtschaftsstandort» Schweiz: Durch ein Verbot der Tierversuche erwachse der Schweiz ein gravierender Standortnachteil gegenüber jenen Ländern, die in Sachen Tierversuche weniger restriktiv seien.

(W&O, 18. März 2019)

Das kapitalistische Konkurrenzprinzip heiligt alle Mittel. Statt dass sich jedes Pharmaunternehmen auf einen Teilbereich der Medizin spezialisiert und in allen anderen Bereichen das Feld den übrigen Firmen überlässt, forscht jedes Unternehmen – im Wettstreit mit allen übrigen – in möglichst vielen Teilbereichen, in der Hoffnung im einen oder anderen oder möglichst vielen Bereichen die Nase vorn zu haben. Opfer dieses Wettlaufs sind die Tiere, die für einen bestimmten Forschungszweck nicht nur einmal, sondern – durch die sich gegenseitig konkurrenzierenden Unternehmen – gleich hundert- und tausendfach geopfert werden. Eigentlich ist es logisch: Ein Wirtschaftssystem, das nicht gut ist für die Menschen, kann auch nicht gut sein für die Tiere, für die Natur und für die zukünftigen Lebensgrundlagen. Alles ist grenzenloses Leiden…