Die SBB und die neuen Hochgeschwindigkeitszüge: «Schon fast auf einem Nullniveau»

Defekte Kabelverbindungen. Mangelhafter Zustand von Treppen. Teile, die ungeschützt herumliegen. Fehlender Abstand zwischen Kabeln. Verbleichte Sitze. Fehlende Lüftungskanäle. Lose Schrauben. Fehlende Abdeckungen. Nicht funktionierende Türen. Gebrochenes Glas. Kaputte Elektronik durch Wasserschäden. Eine Tür, die bei einer Hochgeschwindigkeitstestfahrt in Osteuropa weggerissen und 700 Meter weit fortgeschleudert wurde. Und das ist noch längst nicht die ganze Mängelliste bei den von Bombardier für die SBB hergestellten FV-Dosto-Doppelstockzüge. Das komme eben nicht zuletzt daher, so der deutsche Bahnexperte Hans Leister, dass anstelle einer ausreichenden Stammbelegschaft bei Bombardier viele Leiharbeiter angestellt seien. «Und wie man das auch von Baustellen kennt: Die einen machen das kaputt, was die anderen gebaut haben.» Das bestätigt auch ein Mitarbeiter: «Die Qualität lässt zu wünschen übrig, die Fehler wiederholen sich. Die Arbeiter mit Fachkenntnissen verlassen mehr und mehr das Unternehmen oder werden entlassen. Wir, die noch verbleiben, führen uns zunehmend in unserem Berufsstolz verletzt, möchten wir doch nur beste Arbeit leisten, was aber unter diesen Bedingungen gar nicht mehr möglich ist.» Andere Mitarbeiter berichten, dass beispielsweise die unsachgemässe Materialbehandlung dazu führen könne, dass die Fahrzeuge schon nach kurzer Zeit rosteten. Schrauben würden von Hand angezogen, was zur Folge haben könne, dass sie sich später zu lösen drohten. Nicht einmal das notwendige Werkzeug werde zur Verfügung gestellt, die Arbeiter müssten zum Beispiel Bohrer, Schraubenzieher und Drehmomentschlüssel von zuhause mitbringen. «Wie», fragt sich ein Mitarbeiter, «kannst du motiviert bleiben, wenn du nicht weisst, ob du nächste Woche noch hier arbeitest oder nicht. Das Wissen nimmt immer weiter ab, sodass wir uns heute fast auf einem Nullniveau befinden. Auf lange Sicht wird es zu Sicherheitsproblemen kommen.»

(Rundschau, Schweizer Fernsehen SRF1, 15. Mai 2019)

Irgendwann musste es ja soweit kommen: Oben werden die Ansprüche immer mehr in die Höhe geschraubt – die neuen Hochgeschwindigkeitszüge sollen an technischer Leistung und an Komfort alles Bisherige übertreffen – und unten windet man die Arbeiter bis zum Geht-nicht-mehr aus, ersetzt langjährige Fachkräfte durch temporär Arbeitende und setzt vorhandenes Fachwissen leichtfertig aufs Spiel. Die Folge: Das grösste Debakel, das die SBB in ihrer 117jährigen Geschichte wohl je erleiden mussten. Doch das scheint die feinen Herren oben an der Spitze nicht aus der Ruhe zu bringen. Die Chefs von Bombardier finden immer wieder neue Erklärungen für die Mängel der Züge und für die Lieferverzögerungen über mehrere Jahre. Und auch der SBB-Chef Andreas Meyer ist zuversichtlich, dass am Ende alles gut herauskommt, er hat ja auch, mit einem Jahresgehalt von über einer Million Franken, gut lachen…

Es fehlen alternative Denkschulen

«Frauen mischen die Ökonomie auf» und «In den Wirtschaftswissenschaften ist ein Zeitenwandel im Gange» – so kommentiert der «Tages-Anzeiger» den Sachverhalt, dass zum ersten Mal in der Geschichte die drei Posten der Chefökonominnen von IWF (Gita Gopinath), Weltbank (Pinelopi Goldberg) und OECD (Laurence Boone) von Frauen besetzt sind. Zudem hat mit Emi Nakamura eine Frau die wichtigste Auszeichnung der Ökonomen nach dem Nobelpreis gewonnen: die John Bates Clark Medal der US-Ökonomenvereinigung American Economic Association.

Das tönt ja alles sehr verheissungsvoll. Aber bedeuten mehr Frauen an den wirtschaftspolitischen Schaltstellen automatisch auch mehr Gerechtigkeit, faireren Handel, ausbeutungsfreie Geld- und Arbeitssysteme, ein kleineres Gefälle zwischen Arm und Reich, ökologische Wirtschaftsformen, die ein Weiterleben der Menschheit auf diesem Planeten auch noch in 50 und 100 Jahren gewähren? Schön wäre es. Doch ist zu befürchten, dass auch noch so profilierte Frauen, wie sie nun in diese Chefpositionen gewählt worden sind, letztlich nur wiederum ein Teil des – kapitalistischen – Machtapparats sein werden. Dies zeigen die Biographien dieser Frauen, die allesamt durch die renommiertesten – kapitalistischen – Denkschulen gegangen sind. Was fehlt, sind nicht in erster Linie Frauen in Chefpositionen. Was fehlt, sind alternative – antikapitalistische – Denkschulen, die in Demokratien mit ihrem Primat des freien Denkens und der freien Meinungsäusserung eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein müssten. Dass dem nicht so ist, zeigt den wahren Charakter des Kapitalismus: Er tut so, als herrschte hier totale Freiheit. In Tat und Wahrheit aber herrscht nur eine einzige Freiheit, nämlich die Freiheit des Kapitalismus, sich immer wieder aus sich selber heraus zu reproduzieren. Erst wenn tatsächlich Absolventinnen alternativer Denkschulen an die Schalthebel politischer und wirtschaftlicher Machtstrukturen gelangen werden, können wir sagen, die Ökonomie werden «aufgemischt» und ein «Zeitenwandel» komme in Gang…

137’000 neue Arbeitsplätze durch die 5G-Technologie?

Dank der neuen 5G-Technologie können Arbeitsabläufe optimiert, automatisiert und beschleunigt werden, wie das Beispiel des Baulogistikkonzerns Amberg Longlay mit Sitz in Zürich zeigt: Seine Mitarbeiter nutzen die Technologie mit ihren schnellen Übertragungsgeschwindigkeiten, um auf Baustellen mit digitalen Plänen und computergestützten dreidimensionalen Modellen zu arbeiten. Die Befürworter der neuen Technologie führen ins Feld, dass dadurch bis zum Jahr 2030 ein Produktionszuwachs von 42,2 Milliarden Franken sowie die Schaffung von 137’000 neuen Arbeitsplätzen möglich sein würden. Deshalb warnt zum Beispiel der Dachverband Economiesuisse davor, die Einführung von 5G zu bremsen. Und auch der Verband der Maschinenindustrie befürchtet, dass der Schweizer Werkplatz technologisch ins Hintertreffen geraten und ans Wettbewerbsfähigkeit verlieren könnte.

(Tages-Anzeiger, 14. Mai 2019)

Es ist wie mit der militärischen Aufrüstung. Weil es der andere tut, muss ich es auch tun, um nicht ins «Hintertreffen» zu geraten. Ob es auch sinnvoll ist oder nicht, diese Frage wird schon gar nicht gestellt. Müssen Baustellen zukünftig digital gesteuert werden? Sollen Häuser eines Tages ohne jegliche menschliche Arbeitskraft aus dem D-Drucker entstehen? Brauchen wir selbstfahrende Autos? Soll das Essen im Schnellimbiss zukünftig von Robotern zubereitet werden? Brauchen wir überhaupt noch Blumengärten oder wäre es nicht viel rationeller, rund um unsere Häuser Pflanzen aus Kunststoff zu setzen? Und was ist, wenn die 5G-Technologie erst einmal flächendeckend umgesetzt ist, was kommt darnach und was für weitere «Fortschritte» sind zu erwarten, wenn dann eines Tages 6G, 7G oder 8G vor der Türe stehen? Das Verhalten der russischen Regierung offenbart die ganze Absurdität einer technischen Entwicklung, bei der die Sinnfrage überhaupt keine Rolle mehr spielt, sondern jeder nur schneller, besser und «fortgeschrittener» sein will als der andere: Nach aussen – mit Blick auf Europa und die USA – propagieren russische Medien die Schädlichkeit der 5G-Technologie, die unter anderem Krebserkrankungen schüre sowie psychische Störungen zur Folge haben könne. Gleichzeitig wird die Entwicklung der 5G-Technologie im eigenen Land mit aller Intensität vorangetrieben, um gegenüber dem Westen nicht ins Hintertreffen zu geraten. Es wäre gescheiter, Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftsfachleute würden sich über alle Grenzen hinweg an einen Tisch setzen und den Sinn oder den Unsinn technologischer «Erneuerungen» kritisch beurteilen. Gedankenaustausch, Erfahrungsaustausch zum Wohle der Menschen anstelle von sinnloser gegenseitiger Konkurrenz und Ressourcenverschleiss um jeden Preis. Zumal auch die Vision, mit neuen Technologien würden zahllose neue Arbeitsplätze geschaffen, sehr wohl in ihr Gegenteil umschlagen könnte, wenn nämlich immer mehr technische Geräte die bisherige Arbeit von Menschen übernehmen…

«Was alle angeht, können nur alle lösen.»

«Der Kapitalismus schafft einen fürchterlichen Graben. Entweder spannen Anhänger des Sozialismus und des Kapitalismus zusammen und setzen das System neu auf. Oder wir werden eine Art Revolution erleben, die uns allen schaden wird.»

(Ray Dalio, Chef von Bridgewater Associates, dem weltweit grössten Hedgefondsunternehmen, Jahresgehalt über eine Milliarde Dollar, in: «Eco», Fernsehen SRF1, 13. Mai 2019) 

Da kann man nur hoffen, dass sich bei immer mehr bisherigen Nutzniessern der kapitalistischen Umverteilung das schlechte Gewissen meldet und die Idee, gemeinsam neue Wege zu suchen, immer mehr Anhänger findet. Denn es ist genau so, wie Ray Dalio sagt: Kommt es zu einer Revolution, ist die Gefahr eines Chaos gross, und daran kann niemand wirklich interessiert sein. Zudem birgt eine Revolution, also eine gewaltsame Umwälzung der bestehenden Verhältnisse, die grosse Gefahr in sich, dass einfach jene, die machtlos waren, an die Macht gelangen und umgekehrt – während sich an den Strukturen der bisherigen Ordnung nicht wirklich tiefgreifend etwas ändert. Denn, wie es auch der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt sagte: «Was alle angeht, können nur alle lösen.»

«Wir brauchen eine ganze andere Philosophie»

Der regierungsamtliche Ausschuss Grossbritanniens für Klimawandel schätzt, dass bis zum Jahr 2080 100’000 Häuser «über die Klippe» gehen könnten, wenn, wie mittlerweile befürchtet, Sturm, Regen und Erosion wegen des Klimawandels zunehmen und der Meeresspiegel um einen vollen Meter steigt. Und das wären nur die Opfer bröckelnder Küsten auf der Insel. Millionen Briten steht im Ansturm der Wetter und Wogen regelmässige oder gar permanente Überflutung  ihrer Häuser und Wohnungen bevor. Ganze Strassennetze und Eisenbahntrassen, fast hundert Bahnhöfe, aber auch zahllose Kraftwerke, Ölraffinerien, Gas-Terminals und rund tausend hochgiftige Abfalllager in tiefgelegenen Landstrichen an den Küsten sind über kurz oder lang gefährdet. Für Emma Howard Boyd, die Chefin des Umweltamtes, besteht kein Zweifel mehr daran, was auf ihre Leute da zu kommt – und warum. «Überschwemmungen hat es natürlich immer gegeben», meinte sie. «Aber der Klimawandel nimmt zu und beschleunigt diese Gefahren. Und wir können einen Krieg gegen das Wasser nicht gewinnen, indem wir nur immer höhere Dämme bauen.» Stattdessen brauche man, meint Boyd, «eine ganz andere Philosophie»… Manche Landstriche werden bei einem wirklich dramatischen Anstieg des Meeresspiegels und gleichzeitiger starker Zunahme von Regenfällen nicht zu retten sein. «Letztlich», erklärte die Umweltamts-Chefin erstmals offen, «werden wir ganze Gemeinden in Sicherheit bringen müssen.» Für viele wird eine Rückkehr nicht mehr möglich sein… Fast 200 Kilometer oft dicht besiedelter Küste gelten als unmittelbar flutgefährdet, von alten Städtchen wie Great Yarmouth oder Lyme Regis bis zu den Neubaugebieten in der Themsemündung oder am Humber… Schlimmstenfalls, warnen Experten, können sogar Städte wie Norwich oder Liverpool den Fluten zum Opfer fallen. So hoch über dem Meer liegen sie nicht… Schon im nächsten halben Jahrhundert, befürchten Forscher, könnten Schächte der Londoner U-Bahn und Teile der Kanalisation der 9-Millionen-Stadt von einer anschwellenden Themse überwältigt werden. Ein neues, grösseres Themse-Sperrwerk im Vorfeld das alten ist bereits in Planung. Im Falle Londons sei der «ökonomische Nutzen» massiver Schutzvorrichtungen höher als an den meisten Küsten, rechtfertigen Londons Verteidiger ihr Projekt. «Und das», meint Professor Jim Hall vom regierungsamtlichen Ausschuss für Klimawandel, «ist nur der Anfang dessen, was der Klimawandel uns kosten wird.»

(Tages-Anzeiger, 13. Mai 2019)

Noch nie waren Landesgrenzen so bedeutungslos wie heute. Konnten sich die einzelnen Staaten bis vor Kurzem noch hinter ihren Armeen verschanzen, mittels Handel oder eigenen Bodenschätzen und Landwirtschaftsgebieten ihren Wohlstand sichern und das gesellschaftliche Leben nach eigenen Gesetzen organisieren, so ist das heute, seit der Klimawandel weltweit immer tiefere Wunden aufreisst, nicht mehr möglich. Wir sitzen nicht mehr in 200 verschiedenen Booten, wir sitzen in einem einzigen Boot. Und entweder geht dieses Boot unter, oder wir schaffen es, dies zu verhindern. Das im Artikel erwähnte Beispiel der Kosten, die in Grossbritannien für Massnahmen gegen den Klimawandel anfallen werden, zeigt, dass eine «technische» Lösung des Problems gar nicht möglich ist – die Kosten würden exorbitante Ausmasse annehmen und nicht nur in den armen Ländern des Südens, sondern auch in den reichen Ländern des Nordens jegliches Staatsbudget ins Unermessliche pulverisieren. Deshalb gibt es nur eine Lösung, so wie sie auch an den von Schülerinnen und Schülern weltweit organisierten Klimastreiks immer deutlicher zu vernehmen ist: «System Change, not Climate Change» – genau das, was auch Emma Howard Boyd, die Chefin des britischen Umweltamtes, meinte, als sie sagte, wir bräuchten eine «ganz andere Philosophie». Deshalb ist die Klimastreikbewegung der weltweiten Jugend zwar das Vernünftigste und Beste, was man sich nur erträumen kann, zugleich aber doch bloss ein erster zaghafter Anfang von etwas viel Grösserem, das noch kommen wird.

Eine Welt ohne Menschen

Im Basler Haus der elektronischen Künste zeigen gegenwärtig Künstler und Künstlerinnen ihre Visionen von künstlicher Intelligenz. Besondere Aufmerksamkeit erregt ein von Anna Dumitriu entworfener Roboter, der die Form einer Kugel hat, der sich mithilfe von fadenförmigen Fortsätzen in einer Flüssigkeit nach allen Seiten hin- und herbewegt. «Dieser Roboter», so die Künstlerin, «verfügt über künstliche Intelligenz, das heisst, er lernt von seiner Umgebung und verändert laufend seine Bewegungen. Er könnte eine Lebensform sein für die Zukunft, ein Roboter mit einer Art menschlichen Bewusstseins. Der könnte weiterleben in einer Welt ohne Menschen, nach dem Klimawandel.»

(Tagesschau, SRF1, 11. Mai 2019)

Schöne neue Welt. Eine Welt, in der nur noch Künstliche Intelligenz an die frühere Existenz von Menschen erinnert. Wäre es nicht sinnvoller, Künstlerinnen und Künstler würden eine Welt erdenken, in der Menschen auch noch in 100 oder 1000 Jahren leben können?

Der Mensch – ein soziales Wesen

Allen Unkenrufen zum Trotz ist der Mensch kein Homo oeconomicus, sondern mit einem faszinierenden Gerechtigkeitsgefühl gesegnet. Lange Zeit ging man davon aus, dass Kinder erst im Alter von sechs oder sieben Jahren infolge der Erziehung ein Gefühl für Gerechtigkeit entwickeln. Tatsächlich zeigen aber eine Reihe neuerer Experimente, dass klare Anzeichen von fairem Verhalten deutlich früher auftreten. Schon im Windelalter zeigen Kleinkinder ein Empfinden für Gerechtigkeit, wenn 6 bis 10 Monate alte Kinder in einem Experiment Puppen zum Spielen bevorzugen, die einer anderen Puppe geholfen hatten. Den Unterschied zwischen einer fairen und einer unfairen Verteilung erkennen Kleinkinder schon im Alter von 15 Monaten, wie Studien zeigen. Auch die Bereitschaft der Kleinkinder, ihr Verhalten nach ihrem Gerechtigkeitsempfinden auszurichten, zeigt sich früh. Der Harvard-Professor Felix Warneken führte ein beeindruckendes und ausgefeiltes Experiment durch, um den Gerechtigkeitssinn und die damit zusammenhängende Bereitschaft zu teilen zu testen. Zwei dreijährige Kinder zogen gemeinsam an einem Seil, um ein Brett heranzuholen und so an ein Spielzeug oder an Süßigkeiten in einer durchsichtigen Box zu gelangen. Ein Kind alleine hatte hierzu nicht ausreichend Kraft. Nachdem die Kinder erfolgreich waren und die Box bei ihnen angekommen war, gab es manchmal darin zwei Löcher und manchmal nur eines, sodass regelmäßig ein Kind in der Versuchung war, sich die Belohnung alleine zu sichern. Doch fast immer teilten die Kinder den Fund gerecht auf. Felix Warneken kommentiert dieses Ergebnis: «Wir waren überrascht, dass diese Regel so strikt war, dass Gleichheit so stark bevorzugt wurde. Es war selten der Fall, dass ein Kind alles nahm und das andere Kind zu sagen hatte: ‚Hey, das ist nicht fair.‘» Manchmal machte sogar ein Kind seinen Partner darauf aufmerksam, wenn er nicht seinen Teil genommen hatte. Auf eine andere Weise prüfte ein raffiniertes Experiment des Forscherteams um Katharina Hamann vom Max-Planck-Institut in Leipzig, ob Kinder freiwillig auf den eigenen Vorteil zugunsten einer gerechten Verteilung verzichten: Zwei Dreijährige erhielten nach einer gemeinsamen Arbeit drei Belohnungen, wobei ein Kind zwei und das andere nur eine bekam. Das übervorteilte Kind müsste also nun ein Opfer bringen, um eine tatsächlich faire Verteilung der Belohnungen zu gewährleisten. Fast immer teilte das von Glück begünstigte Kind mit dem glücklosen Kind! In einem weiteren Experiment verzichteten sechs achtjährige Kinder lieber auf eine Belohnung und warfen sie weg, um zu vermeiden, dass eine ungleiche Verteilung entstand, auch wenn sie selbst diese zusätzliche Belohnung erhalten hätten. Und zuletzt ein faszinierendes Experiment des Forscherteams um Katharina Hamann, welches das sehr ausgeprägte Gefühl von Fairness und Gerechtigkeit demonstriert: Zwei dreijährige Kinder sollten dabei gemeinsam eine Holzlatte eine Treppe hinauftragen, um jeweils eine Belohnung zu erhalten. Das Besondere hierbei war jedoch, dass die Vorrichtung so konstruiert war, dass eines der Kinder schon deutlich früher seine Belohnung erhalten konnte, während das andere Kind noch die restlichen Treppenstufen hinaufsteigen musste. So gut wie alle Kinder halfen jedoch weiter, damit auch der Partner die Belohnung erhalten konnte. Drei Viertel der Kinder halfen sogar sofort, ohne erst zu der Maschine zu gehen, wo ihre Belohnung sie erwartete. Summiert man diese Experimente, lässt sich festhalten: Das Verhalten des Kindes findet in den Denkfiguren des Homo oeconomicus schlicht nicht statt. Kleinkinder sind keine «unbeschriebenen Blätter», sondern von Natur aus offenbar mit einem beeindruckenden Gerechtigkeitsgefühl gesegnet.

(www.heise.de)

Auch die afrikanischen Urvölker verhielten sich so, bevor ihr Kontinent von den Weissen erobert wurde: Wenn man von der Jagd ins Dorf zurückkam, wurde die erlegte Beute gleichmässig auf alle Dorfbewohner verteilt, diejenigen, welche mehr Beute als andere erlegt hatten, bekamen den genau gleich grossen Anteil des Fleisches. Dies und die oben beschriebenen Beispiele von Experimenten mit kleinen Kindern zeigen, dass der Kapitalismus mit seiner Betonung des Konkurrenzkampfs, des Egoismus und des Macht- und Ausbeutungsverhaltens des Einzelnen gegenüber den anderen ganz und gar nicht, wie immer wieder behauptet wird, in der Natur des Menschen liegt. Wenn das nämlich so wäre, dann wäre der Mensch von Natur aus auf seine Selbstzerstörung programmiert. Es geht also, bei der Überwindung des Kapitalismus und dem Aufbau einer neuen, menschen- und naturgerechten Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung nicht so sehr darum, künstlich etwas Neues zu erfinden und dem Menschen aufzuzwingen, sondern, im Gegenteil, bloss das wieder freizulegen, was seit Urzeiten in seinem innersten Wesen immer schon vorhanden war

 

 

 

Archie Harrison Mountbatten-Windsor: 1 Million für ein Baby

Die Welt ist um ein Royal-Baby reicher. Gestern wurde der kleine Archie Harrison Mountbatten-Windsor das erste Mal von seinen stolzen Eltern Prinz Harry (34) und Herzogin Meghan (37) der Öffentlichkeit präsentiert. Doch auch wenn der royale Wonneproppen erst am Sonntag das Licht der Welt erblickt hat, kostete Archie seine Eltern schon über eine Million Franken. «The Sun» hat ausgerechnet, wie viel Geld die Schwangerschaft von Mama Meghan kostete – und kam dabei umgerechnet auf rund 914’200 Franken. Doch wie setzt sich diese atemberaubende Summe zusammen? Einen der wohl teuersten Aspekte der Schwangerschaft mussten die Royals glücklicherweise nicht ganz selbst bezahlen. Im Februar reiste die Herzogin nach New York, um mit ihren amerikanischen Freunden eine sogenannte Baby Shower, also eine Party zu Ehren des ungeborenen Kindes, zu feiern. Dort dinierten sie in den teuersten Restaurants im Big Apple und liessen es in der grössten Suite des Luxus-Hotels The Mark so richtig krachen. Die Rechnung für die eigentliche Feier, umgerechnet rund 76’000 Franken, soll allerdings Meghans beste Freundin, Tennis-Star Serena Williams (37) übernommen haben. Trotzdem soll der Kurz-Trip etwa 203’000 Franken gekostet haben….  Für die Baby-Feier reiste die sonst so Klima-bewusste Meghan stilecht im Privat-Jet an. Dafür soll eine Freundin von ihr 76’000 Franken aus eigener Tasche bezahlt haben…  Vor der Geburt des kleinen Archie zogen Meghan und Harry vom Buckingham Palast in das nahe gelegene Frogmore Castle. Dort richteten sie ein luxuriöses Kinderzimmer ein und setzten dabei voll auf Umweltfreundlichkeit. So sollen laut einem Insider Solarzellen den Strom liefern und die Wände wurden nur mit «veganer Farbe» gestrichen. Kostenpunkt: 66’200 Franken…  Auch hochschwanger war Herzogin Meghan immer perfekt gestylt. Während ihre Royal-Kollegin Herzogin Kate (37) manchmal auch auf Mode von Grossverteiler wie H&M setzt, trägt die US-Amerikanerin nur Kleider von Luxus-Designern. So kommt ein ordentliches Sümmchen zusammen. Die Umstandsmode von Dolce & Gabbana, Manolo Blahnik oder Versace soll laut «Glamour»-Magazin 509’000 Franken gekostet haben. Wenigstens wäre Meghan schon für eine zweite Schwangerschaft eingedeckt… Kurz vor der Geburt gönnten sich Meghan und Harry noch ein entspannendes Wochenende in Heckfield Place, einem Luxus-Spa in Hampshire (England). Das Fünfsterneresort bietet Massagen, Akupunktur-Sitzungen und Gesichts-Peeling. Alles für einen Spottpreis von 40’000 Franken für drei Übernachtungen… Eigentlich soll Herzogin Meghan eine Hausgeburt geplant haben. Am Sonntag Abend mussten sie und Prinz Harry aber trotzdem von Scotland-Yard-Agenten in das Portland-Spital in London gebracht werden. Die Luxus-Geburtenklinik ist beliebt bei den Reichen und Berühmten – Stars wie Victoria Beckham (45), Liz Hurley (53) oder Jools Oliver (44), die Frau von Promi-Koch Jamie (43) brachten dort ihre Kinder auf die Welt. Doch Annehmlichkeiten wie Champagner nach der Geburt oder ein Hummer-Menu kommen mit einem hohen Preis. Die eigentliche Geburt vom kleinen Archie soll 20’000 Franken gekostet haben.

Und das in einer Welt, in der jeden Tag 15’000 Kinder vor ihrem fünften Lebensjahr sterben, weil sie zu wenig zu essen oder kein Trinkwasser haben oder ihnen die minimalsten hygienischen Bedingungen fehlen…

Lohn und betriebswirtschaftliche Rentabilität

«Für uns Bäuerinnen geht es zum Beispiel um die Lohnfrage. Wir müssen sagen: Für unsere Arbeit steht uns eine Bezahlung zu. Das ist wichtig als Form der Anerkennung – und auch für die soziale Absicherung der Bäuerinnen. Aber es ist schwierig. In der Landwirtschaft gibt es nicht viel zu verdienen. Wie soll da noch ein zusätzlicher Zahltag ausbezahlt werden?»

(Alice Glauser, Bäuerin und SVP-Nationalrätin, in: Tages-Anzeiger, 10. Mai 2019)

Die Höhe eines Lohns hängt wesentlich mit der betriebswirtschaftlichen Rentabilität eines Unternehmens zusammen. Ein Landwirtschaftsbetrieb erzielt nun mal nicht den gleichen Gewinn wie eine Bank, ein Frisiersalon nicht den gleichen Gewinn wie ein Pharmakonzern, ein Restaurant nicht den gleichen Gewinn wie ein IT-Unternehmen. Heisst das nun, dass sich Bäuerinnen, Serviceangestellte, Köche, Friseusen und Verkäuferinnen auf Gedeih und Verderb mit Niedrigstlöhnen – im Fall der Bäuerinnen sogar mit Nulllöhnen – zufrieden geben müssen? Keineswegs. Es müsste ein Finanzinstrument ausgleichender Gerechtigkeit geschaffen werden, vergleichbar mit dem interkantonalen Finanzausgleich, mit dem finanzschwächere Kantone durch die finanzstärkeren durch entsprechende Beitragszahlungen unterstützt werden. Also eine Art Fonds, in den Betriebe mit hoher Rentabilität Beiträge einzahlen, die dann den Betrieben mit niedrigerer Rentabilität zugute kämen. Ein landesweiter Akt der Solidarität. Und ein Ende dieser unermesslichen Ungerechtigkeit, dass ausgerechnet jene, welche am härtesten arbeiten und das geringste gesellschaftliche Ansehen geniessen, zugleich auch jene sind, die am wenigsten verdienen.

Generalstreik 2019

Unvorstellbar, was Solidarität alles bewirken könnte. Alle, die weniger als 5000 Franken pro Monat verdienen, müssten in einen landesweiten Generalstreik treten. Ei, würde das schnell gehen. Die Wirtschaft und die öffentlichen Dienste drohten, innerhalb weniger Tage in sich zusammenzubrechen, ein Chaos unbeschreiblichen Ausmasses würde sich abzeichnen. Um das abzuwenden, wären alle Mittel recht, um an das fehlende Geld zu gelangen und allen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen einen Minimallohn von 5000 Franken zu garantieren. Man könnte das Geld zum Beispiel bei den 300 reichsten Schweizerinnen und Schweizern holen – ihr Gesamtvermögen, auf die gesamte Bevölkerung verteilt, beträgt pro Kopf nicht weniger als 79’400 Franken. Oder man könnte es, wenn das noch nicht genügen würde, bei all jenen holen, die pro Monat mehr als 6000 Franken verdienen. Weitere Geldquellen wären aufzuspüren, der Phantasie wären keine Grenzen gesetzt. Und dann, wenige Tage später, würde alles wieder funktionieren, der Kehricht würde wieder abgeführt, die Kassen in den Supermärkten wären wieder besetzt und auch die Gestelle würden wieder aufgefüllt, auch auf den Feldern und in den Fabriken würde wieder gearbeitet. Hotels und Restaurants wären wieder in Betrieb, in den Spitälern, Pflegeheimen und Altersheimen würde man sich wieder um die Alten und Kranken kümmern. Alles wäre wieder wie vorher. Doch nicht ganz: Denn es gäbe ab sofort in der ganzen Schweiz keinen Lohn mehr unter 5000 Franken.