30. Montagsgespräch am 11. Mai 2026: Sollten die Schulnoten abgeschafft werden?

Wie wirken sich Schulnoten auf die Lernfreude und den Lernerfolg der Kinder aus? Diese Frage wurde anlässlich des Buchser Montagsgesprächs vom 11. Mai diskutiert.

Den Einstieg in die Diskussion bildete eine Kindheitserinnerung besonderer Art, erzählt von einer Lehrerin, die während längerer Zeit auch als Schulleiterin tätig war. Nachdem ihre Noten in der Schule anfänglich immer gut gewesen waren, hätte sie eines Tages für eine Prüfung einen Einser bekommen, weil sie ganz vergessen hatte, sich darauf vorzubereiten. Sie hätte sich darüber riesig gefreut, weil sie nun zum ersten Mal diese ganz besondere Note bekommen hätte, die auch andere in der Klasse zuvor schon bekommen hatten. Begeistert sei sie nach Hause gelaufen. Ihre Eltern seien dann allerdings weniger begeistert gewesen. Für die Kinder selber, so mehrere Voten aus der Runde, sei die Note anfänglich gar nicht wichtig. Wichtig werde sie erst durch die Reaktionen der Erwachsenen und durch die allmähliche Erkenntnis des Kindes im Laufe der Schuljahre, wie wichtig sie seien in Bezug auf die spätere Berufswahl.

Noten, so die Aussage eines früheren Lehrlingsausbildners, würden zu Egoismus und Einzelkämpfertum erziehen, zum Wettkampf aller gegen alle. Dabei spielten die Erwartungen der Eltern eine wesentliche Rolle, vor allem wenn sich diese wünschten, dass ihr Kind später eine berufliche Tätigkeit mit möglichst hohem gesellschaftlichem Ansehen und Einkommen ausüben sollte. Dahinter stecke eine aus seiner Sicht falsche Wertehaltung, denn handwerkliche oder soziale Berufe seien genau so wichtig wie akademische, und überhaupt sei es falsch, Kinder nur an ihren intellektuellen Fähigkeiten zu messen und nicht ebenso an ihren handwerklichen, musischen und sozialen Stärken, die in vielen Berufen viel wichtiger seien als rein theoretisches Wissen.

Generell, so eine weitere Aussage aus der Runde, fehle es am Grundvertrauen in die Lernkraft des Kindes, denn Kinder würden auch ohne Noten und ohne äusseren Druck lernen, und dies mit mehr Freude und Erfolg, wie man das zum Beispiel beim Erlernen der Muttersprache beobachten könne. In diesem Zusammenhang wurde auch bemängelt, dass von den Pädagogischen Hochschulen zu wenige Impulse für eine kindgerechte Pädagogik kämen.

Die Erfahrungen von Privatschulen, die ohne Noten gute Lernergebnisse erzielen – so eine Mutter, deren Tochter eine solche Schule besucht –, seien zu wenig bekannt. Überhaupt, und diesem Votum schloss sich in der Folge die ganze Runde an, müsste über pädagogische Themen eine viel breitere öffentliche Diskussion stattfinden, sei doch offensichtlich, dass sich viele Kinder, Jugendliche, aber auch Lehrerinnen und Lehrer wie auch Eltern von den Ansprüchen und dem Druck, mit dem schulisches Lernen verbunden ist, überfordert fühlen und oft sogar erheblich darunter leiden; Visionen eines Bildungssystems, in dem vermehrt die Freude am Lernen im Vordergrund steht und die Besinnung auf das Wesentliche, seien dringend nötig.