33. Montagsgespräch am 14. September 2026: Moldawien im Spannungsfeld zwischen Ost und West

Anlässlich des Buchser Montagsgesprächs vom 14. September stellte Ursula Schweizer das von ihr geleitete Hilfswerk «Moldovabridge» vor. Dieses leistet konkrete Aufbauhilfe in einer von Armut besonders betroffenen Region Moldawiens, so etwa mit Spitex-Diensten für bedürftige Betagte, Erste-Hilfe-Kursen, Mittagstischen, einer Kantine für verwahrloste Kinder, Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche, der Verteilung von Lebensmittelpaketen sowie mit dem im Sommer 2020 begonnenen Bau eines Altersheims.

Die Lebensbedingungen in Moldawien hätten sich, so Ursula Schweizer, seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahre 1991 erheblich verschlechtert. Als eindrückliches Beispiel erwähnte sie eine Fabrik, in der zu Sowjetzeiten tausend Blinde und tausend Sehende gemeinsam Neonlampen für die gesamte Sowjetunion produziert hatten. Infolge des Übergangs zur freien Marktwirtschaft seien Produktionsstätten wie diese nicht mehr konkurrenzfähig und Beeinträchtigte fänden in einer von Konkurrenzdruck und Gewinnmaximierung bestimmten Arbeitswelt keinen Platz mehr. Dennoch ist Ursula Schweizer überzeugt, dass der Kommunismus auch ohne Zutun des Westens früher oder später zusammengebrochen wäre, weil der Mensch eben nicht nur nach sozialer Sicherheit strebe, sondern auch dazu, Selbstverantwortung zu übernehmen und sich aufgrund seiner individuellen Begabungen und Bedürfnisse möglichst frei entfalten zu können.

Es sei daher nicht verwunderlich, dass Moldawien heute ein zutiefst gespaltenes Land ist. Etwa ein Drittel der Bevölkerung seien eher Russland zugeneigt, ein weiteres Drittel eher der EU und das letzte Drittel zeige nur wenig Interesse an Politik. Erschwerend käme dazu, dass sowohl Russland wie auch die EU jeweils bei den Parlamentswahlen massiv Einfluss zu nehmen versuchten, durch gezielte Propaganda wie auch durch finanzielle Versprechungen. Eine wichtige Rolle spiele dabei auch die Region Transnistrien im Osten des Landes, eine Art Pufferzone zwischen Moldawien und der Ukraine, die wirtschaftlich und politisch immer noch eng mit Russland verbunden sei.

Voller Begeisterung berichtete im Folgenden einer der Diskussionsteilnehmer von seinen persönlichen Eindrücken, die er anlässlich mehrerer Besuche Moldawiens gewonnen hätte, von der überwältigenden Gastfreundschaft, der tiefen und immer noch lebendigen Verwurzelung in künstlerischen, musikalischen und handwerklichen Traditionen und von der überschäumenden Lebensfreude, die sich, trotz weitverbreiteter Armut, besonders bei traditionellen Festlichkeiten immer wieder zeige. Dass das Land heute unter zunehmendem Druck stehe, sich entweder auf die russische Seite oder auf die Seite der EU zu schlagen, verspreche nichts Gutes. Viel zukunftsträchtiger wäre es doch, die eigene Unabhängigkeit zu bewahren und gleichzeitig mit beiden Seiten zum Wohle aller gute wirtschaftliche, kulturelle und zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen.