Die Schweizer Tagesschau zur Rede von Donald Trump an der UNO-Generalversammlung: „Heute war der Rundumschlag doch sehr viel dosierter.“

Peter Sutter, 23. September

Tagesschau des Schweizer Fernsehens SRF1, 22. September 2026, 19.30 Uhr. Berichtet wird unter anderem über den Auftritt von US-Präsident Donald Trump an der heutigen UNO-Generalversammlung. Nach einer kurzen Einleitung, wo Trump gezeigt wird, wie er ein paar CNN-Journalisten beschimpft, sie hätten hier nichts zu suchen, und er dann kurz darauf auf einer Rolltreppe zu sehen ist, die jetzt, wie der Kommentator bemerkt, im Gegensatz zur letzten UNO-Generalversammlung zum Glück wieder funktioniere, sieht man sodann den UNO-Generalsekretär António Guterres bei seinen Begrüssungsworten zur Eröffnung der Versammlung…

Kommentar des Tagesschausprechers:

Nachdem UNO-Generalsekretär António Guterres in seiner Eröffnungsrede die Werte der UNO – Frieden, Menschenrechte, Gleichheit der Staaten und Gewaltverzicht – beschwört hat, wird klar, dass der amerikanische Präsident Donald Trump nicht in erster Linie als Bote des Friedens gekommen ist.

Nachdem der Applaus für die Worte von Guterres verklungen ist, sieht man Trump und hat sogleich den Eindruck, dass hier einer vor der UNO-Vollversammlung steht, dem es ausschliesslich um seine Selbstdarstellung geht und der sich wie ein gekränktes Kind verhält, das endlich die Gelegenheit bekommen hat, im Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit zu stehen und an dieser bösen Welt für all die erlittenen Kränkungen bitterlich Rache zu nehmen…

Trump wörtlich:

Entweder gibt es einen Deal mit dem Iran oder ich vernichte die Islamische Republik, und zwar schnell. Ich schicke sie zur Hölle, ohne Hoffnung und ohne Überlebenschance für nachfolgende Generationen…

Der Blick in die Reihen der Versammlung während dieser und der folgenden Worte, in denen Trump wieder einmal, wie schon oft, über den Internationalen Strafgerichtshof herzieht, zeigt durchwegs regungslose, völlig emotionslose Gesichter, denen keinerlei Reaktion auf die Ankündigung Trumps, den Iran ohne jegliche Hoffnung auf eine Überlebenschance auszulöschen, abzulesen ist, kein Aufschrei der Empörung, nichts. Vereinzelt da und dort ein Delegierter, der halb oder ganz eingeschlafen ist, andere, die demonstrativ gähnen. Alle bleiben brav und regungslos sitzen. Nur dort, wo die iranische Delegation ihren Platz hat, sind die Sitze leer, haben diese Delegierten doch soeben während der Worte Trumps den Saal verlassen. Nur einer von der Iran-Delegation sitzt noch da, mit versteinerter Miene, als wäre er tiefgefroren…

Weiter geht es mit dem Kommentar des Tagesschausprechers:

Donald Trump war also ganz er selber vor der UNO-Generalversammlung, vieles hat man auch schon gehört.

Zu einer Bemerkung des Sprechers bezüglich der Ankündigung Trumps, den Iran auszulöschen, lässt sich der Tagesschausprechers nicht hinreissen. Mit der Feststellung, Trump sei wieder einmal „ganz er selber“ gewesen, zieht er sich elegant aus der Affäre, es sei dem TV-Publikum überlassen, was man sich darunter vorstellen mag…

Jetzt wird SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck, zurzeit in New York, in die Sendung zugeschaltet und kommentiert den Auftritt Trumps wie folgt:

Nun, für Trumpsche Verhältnisse war das doch eine sehr überraschungsfreie Rede, muss man sagen. Und man hat auch gespürt, die Anspannung im Publikum im grossen UNO-Saal war deutlich gelassener, deutlich weniger gross als noch vor einem Jahr, als Trump zu einem riesigen Rundumschlag gegen alle möglichen Verbündeten, auch gegen die UNO selber, ausgeholt hatte. Heute war der Rundumschlag doch sehr viel dosierter, ja, wir haben es gehört, es gab eine Vernichtungsdrohung gegen den Iran wieder einmal, aber insgesamt schien mir Trump doch eher defensiv aufzutreten als auch schon…

Wieder einmal bleiben mir die Worte im Hals stecken und ich muss mir minutenlang überlegen, was ich dazu schreiben könnte, um diesen Gefühlen, denen ich mich bei diesem kurzen Blick in die UNO-Generalversammlung wie einem ohrenbetäubenden Gewitter innerhalb weniger Sekunden hilflos ausgeliefert gefühlt habe, auch nur einen einigermassen adäquaten Ausdruck zu verleihen.

So weit also sind wir schon, dass die Ankündigung des US-Präsidenten, ein Volk von 90 Millionen Menschen in die Hölle zu schicken, selbst von einem Korrespondenten des Schweizer Fernsehens als etwas „Dosiertes“ bezeichnet wird. Dass man also offensichtlich schon dankbar dafür sein muss, dass nur ein einziges Volk in die Hölle geschickt wird und nicht gleich auch noch alle anderen…

Und dann spule ich kurz noch einmal zurück: Tatsächlich, fast alle der Delegierten, die zu Beginn der Versammlung nach den Eröffnungsworten des Generalsekretärs mit dem Bekenntnis zu Frieden, Menschenrechten und Gewaltverzicht applaudiert hatten, applaudieren jetzt, nach der Ankündigung Trumps, 90 Millionen Menschen zu vernichten und damit auch alle ihre Abermillionen zukünftiger Nachfahren, erneut, mit den gleichen teilnahmslosen, regungslosen Gesichtern. Offensichtlich sind wir schon so weit, dass Krieg und Frieden, Zerstören und Aufbauen, Hass und Liebe Begriffe geworden sind, die man beliebig gegeneinander austauschen kann ohne zu befürchten, dass man am Schluss dafür keinen Applaus mehr bekommt. Zu Ende gedacht, würden die alle möglicherweise ja sogar dann noch mit den gleichen regungslosen Gesichtern applaudieren, wenn Trump an der nächsten UNO-Generalversammlung mit stolz geschwellter Brust verkünden würde, er hätte es tatsächlich geschafft, sämtliche 90 Millionen Iranerinnen und Iraner bis auf das letzten Mann, die letzte Frau und das letzte Kind auszulöschen. Ich frage mich: Weshalb sind die drei UNO-Delegierten des Iran die Einzigen, die bei diesen Worten Trumps den Saal verlassen haben, die Einzigen, die hierfür den Mut hatten? Was ist mit all den andern? Sitzen, schlafen und gähnen sie vielleicht nur deshalb in diesem Saal vor sich hin, weil sie damit ein ganz gutes Stück Geld verdienen ohne auch nur einen Finger rühren zu müssen für das, was eigentlich ihre Pflicht wäre, nämlich, wie Guterres kurz daran erinnerte, der Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte? Sind sie nicht allesamt abgrundtiefe Verräter ihrer eigenen Völker und Staaten, deren Rechte sie doch hier eigentlich vertreten müssten? Unwillkürlich kommen mir diese Worte des irischen Schriftstellers Oscar Wilde in den Sinn: „Die meisten Menschen sind andere Menschen, ihre Gedanken sind die Meinungen anderer, ihr Leben Nachahmungen, ihre Leidenschaften nur Zitate.“ Es ist diese verheerende Wirkung der Masse: Wenn alle anderen das Gleiche machen wie ich, dann kann es ja nicht etwas Schlechtes sein. Diese verheerende Wirkung der Masse, bis das eigene Denken irgendwann aufgehört hat, auch das eigene Gewissen ausgelöscht ist und man nichts mehr empfindet, wenn anderen Menschen Unrecht zugefügt wird. Diese verheerende Wirkung der Masse, die zu einer allumfassenden Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit führt, welche all jenen, welche die Macht nur um ihrer selbst Willen anstreben und nicht um damit Gutes für andere zu tun, unendlichen Spielraum lässt für das Ausleben ihrer verrücktesten und gefährlichsten Phantasien. Wenn Trump seine Ankündigung, 90 Millionen Iranerinnen und Iraner und Abermillionen ihrer Nachfahren auszulöschen, in die Tat umsetzen würde, dann hätten sich sämtliche der rund 500 UNO-Delegierten, die nichts dagegen unternahmen, mitschuldig gemacht, ausser die drei Vertreter des Irans, die während der Rede Trumps den Saal verliessen. Denn, wie Albert Einstein sagte: „Die Welt ist viel zu gefährlich, um darin zu leben. Nicht wegen der Menschen, die Böses tun. Sondern wegen der Menschen, die daneben stehen und sie gewähren lassen.“

Wenn es denn überhaupt noch Menschen sind. Denn Menschen, die selber nicht mehr denken und nichts mehr empfinden, weil alle anderen auch nichts denken und nichts empfinden, kann man ja ebenso gut auch durch Maschinen ersetzen, es geht schneller und ist billiger und es müssen keine langen Flüge aus allen Ecken der Welt in Kauf genommen werden. KI hat schon vieles gerichtet und würde vermutlich auch das noch schaffen.

Es gab eine Zeit, so werden vielleicht die Grossmütter und Grossväter in 100 oder 150 Jahren ihren Enkelkindern erzählen, da durften potenzielle Massenmörder vor Vertreterinnen und Vertretern aller Länder der Welt ganz offiziell ihre Vernichtungspläne ausbreiten. Und niemand störte sie dabei, niemand pfiff sie aus oder schrie sie an, niemand riss sie von ihren Podesten herunter, und es gab auch keine Gerichte, vor denen sie sich zu verantworten hatten, im Gegenteil, sie bekamen das beste Essen, die schönsten Kleider, ganze Paläste für ihre Luxusvergnügungen jeglicher Exzesse, riesige Schiffe, ja sogar ganze Raketen, um am Wochenende in den Weltraum zu fliegen. Während gleichzeitig Abermillionen von Menschen nicht genug zu essen hatten, aus Kriegs-, Hunger- und Dürregebieten gefährlichste Fluchtwege auf sich nehmen mussten und nächtelang nicht schlafen konnten, weil sie keine Sekunde lang sicher sein konnten vor den überall bereitstehenden Bomben und Raketen, die jederzeit ihre Häuser treffen und ihr ganzes Leben zerstören könnten.

Doch höchstwahrscheinlich werden die Kinder in 100 oder 150 Jahren auch unter Aufbietung aller ihrer Phantasie dies alles nicht mehr glauben können.